Nur wenige Fahrschulen haben Elektrofahrzeuge oder bilden daran aus. Woran liegt das und was müsste sich daran ändern? Das erklärt Dieter Quentin, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände im Interview. 

ZEIT ONLINE: Herr Quentin, in Fahrschulen scheint die Elektromobilität noch nicht angekommen zu sein. Warum nicht?

Dieter Quentin: Wir Fahrlehrer wünschen uns, dass es mehr Elektroautos in den Fahrschulen geben würde. Aber zum einen sind Elektroautos teuer und aufgrund der beschränkten Reichweite für den Betrieb von Schulungsautos, die den ganzen Tag genutzt werden, nicht geeignet. Zum anderen gibt es ein großes Hindernis, das im EU-Recht liegt: Wer auf einem Automatikfahrzeug seine Fahrprüfung ablegt, darf ausschließlich Automatikfahrzeuge fahren. Elektroautos brauchen aber gar kein Getriebe. Und weil sich die wenigsten einschränken wollen, legen die meisten ihre Fahrprüfung in einem Auto mit Schaltgetriebe ab. Anschließend dürfen sie auch Autos mit Automatikgetriebe fahren. Umgekehrt aber nicht.

ZEIT ONLINE: Das heißt: Wer heute seine Fahrprüfung in einem Elektroauto macht, darf anschließend nur Automatikgetriebe fahren?

Quentin: So ist es. Im Nachgang kann man zwar noch eine weitere Prüfung machen, um Fahrzeuge mit Schalt- und Automatikgetriebe fahren zu dürfen. Dann wird der Eintrag im Führerschein gelöscht. Wir halten aber die zusätzliche Prüfung für einen unnötigen Aufwand. Deshalb engagieren wir uns seit Jahren dafür, diese Vorschrift zu ändern. Wir wollen, dass diese Einschränkung fällt und Fahrschulen dann auch auf modernen Fahrzeugen wie Elektroautos ausbilden können. Dem Verkehrsministerium haben wir einen Ausbildungsplan vorgeschlagen, der eine bestimmte Stundenzahl im Schaltfahrzeug vorschreibt und vorsieht, dass die Prüfung auch in einem Automatikfahrzeug abgelegt werden kann. Die Schüler lernen so beide Technologien kennen und sind später nicht eingeschränkt.

ZEIT ONLINE: Ein Elektroauto fährt sich aber völlig anders als ein Verbrenner. Sollten nicht alle den Umgang mit der neuen Technologie lernen?

Quentin: Auch jeder routinierte Fahrer sollte die Besonderheiten des Elektroautos kennen. Zum Beispiel beschleunigen Elektroautos viel schneller und sie haben auch ein verändertes Bremsverhalten: Aufgrund der Rekuperation bremsen Elektroautos von selbst, sodass bei vorausschauender Fahrweise das Bremspedal oft nicht mehr gebraucht wird. Wer umsteigt, sollte sich auch mit Ladeinfrastruktur und Lademöglichkeiten auskennen und muss sein Fahrverhalten aufgrund der eingeschränkten Reichweite ändern. Das alles sollte Teil der Ausbildung werden, ob es zwingend geprüft werden muss, das halte ich für entbehrlich.

ZEIT ONLINE: Müsste eine Schulung auch Pflicht für erfahrene Fahrerinnen sein und wer sollte die durchführen?

Quentin: Ich denke, es reicht, wenn es für die routinierten Fahrer bei einem freiwilligen Angebot bleibt. Eine Vorschrift halte ich bei Führerscheininhaberinnen, die eine entsprechende Fahrpraxis haben, für nicht notwendig. Eine Einweisung beim Händler oder Hersteller sollte ausreichend sein.

ZEIT ONLINE: Bisher gibt es nur wenige Fahrschulen, die Schulungen für Elektroautos anbieten. Hat Ihre Branche den Bedarf nicht erkannt?

Quentin: Bislang lebt die Branche von der Erstausbildung, Schulungen etwa für Elektromobilität sind ein neues Standbein. Dieses Angebot wächst, wenn das Gesetz geändert ist und Elektroautos günstiger sind.

ZEIT ONLINE: Und was ist bei der Fahrausbildung für Mofas, Roller und Motorräder – spielt hier die Elektromobilität eine größere Rolle?

Quentin: Bei elektrischen Zweirädern ist es wie beim Elektroauto: Der Markt entwickelt sich erst und damit Angebote rund um die Produkte. Das gilt übrigens auch für vier- oder mehrrädrige Fahrzeuge, also Busse oder Lkw.