Das noch junge Abo-Modell für Neuwagen ist auf dem Weg, sich als Alternative zu Kauf, Finanzierung und Leasing zu etablieren. Das Prinzip, bei dem sich der Abonnent um nichts außer das Tanken kümmern muss, soll vor allem jüngere Käuferinnen und Käufer anziehen – aber längst nicht nur. Die Auto-Abonnements werben mit Flexibilität und planbaren Kosten. In einigen Fällen können sie den Kunden sogar günstiger kommen als die Alternativen.

Für eine fixe Monatsrate, die je nach Angebot Posten wie Wartung, Reparaturen, Reifenwechsel, Versicherung und Steuern enthält, fahren die Abonnentinnen und Abonnenten immer ein neues Auto. Es wird im Internet auf einer Website des Anbieters oder über eine spezielle App gebucht, ihnen bis vor die Haustür geliefert und gegebenenfalls für Werkstattbesuche auch wieder abgeholt. Oft kann auch während der Vertragslaufzeit auf ein anderes Modell gewechselt werden. Anders als beim Leasing gibt es keine Anzahlung, und die Kosten sind absolut planbar. Auch ist man nicht über viele Jahre an einen Vertrag gebunden.

Seit einigen Monaten kann man beim Autohersteller Volvo sowie zwei großen Mercedes-Händlern (Beresa und Lueg) ein solches Auto-Abo abschließen. Daimler kommuniziert noch keine Bilanz, Volvo zeigt sich mit den ersten Monaten sehr zufrieden: Das Care by Volvo genannte Programm entwickle sich, wie für 2019 erwartet, in Richtung von fünf Prozent des Gesamtgeschäfts auf dem deutschen Markt, heißt es. Nutzer seien derzeit hauptsächlich Privatleute, oft Neukunden, und im Schnitt drei Jahre jünger als die Kauf- und Leasingkunden.

Erst Netflix, dann Abo-Auto

Dass jüngeren Menschen ein eigenes Auto nicht mehr so wichtig ist, prognostizieren Experten seit Jahren. "Je jünger, desto größer die Bereitschaft, ins Auto-Abo zu gehen", meint auch der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen. In einer Umfrage der Nürnberger Marktforschung Puls unter mehr als 1.000 Autokäufern bekundete im Januar 26 Prozent der Befragten bis 30 Jahren Interesse daran, ein Auto zum Komplettpreis zu abonnieren – unter allen Befragten waren es 22 Prozent. Dass das Abo-Modell bei jüngeren Menschen besonders gut ankommt, führt Puls auf die "positiven Erfahrungen" mit Streamingdiensten wie Spotify und Netflix zurück.

Neben den Autoherstellern gibt es externe Anbieter, die verschiedene Marken und Modelle für ein Auto-Abonnement führen. Dazu gehören etwa der Autovermieter Sixt mit sixtflat.de und das 2017 gegründete Start-up Cluno. Das Münchener Unternehmen sieht bei seinen Kundinnen und Kunden im Alter von 23 bis 75 Jahren den Durchschnitt der Bevölkerung repräsentiert. Das Interesse an Hybrid- und Elektrofahrzeugen sei besonders groß, so Cluno. Nach wie vor werde aber auch gerne Diesel gefahren. Da sich die Nutzer nicht lange an das Auto binden und auf Wunsch auf ein anderes Auto oder eine andere Antriebsart wechseln können, fällt ihnen die Entscheidung diesbezüglich offenbar einfacher.

Die hohe Flexibilität ist einer der entscheidenden Vorteile, mit denen die Anbieter werben. Wer gern einen Neuwagen fahren, sich aber nicht für viele Jahre auf eine Fahrzeuggröße, Antriebsart oder allgemein ein Modell festlegen will, für den ist das Abonnement gedacht. Autoexperte Dudenhöffer sieht in den neuen Angeboten eine Übergangslösung für Menschen, die zurzeit aufgrund der Diskussionen um Fahrverbote und den bevorstehenden Wandel hin zur Elektromobilität verunsichert sind.