Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max 8 dürfen auch Deutschland nicht mehr überfliegen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kündigte an, den deutschen Luftraum für diese Maschinen zu sperren, nachdem am Sonntag in Äthiopien ein solches Flugzeug direkt nach dem Start abgestürzt war.

"Sicherheit geht absolut vor. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max ab sofort gesperrt wird", teilte Scheuer mit. Dem Sender n-tv sagte er, in Deutschland gebe es zwar keine Starts und Landungen, aber zahlreiche Überflüge dieser Maschine. Ein Ministeriumssprecher sagte, die Unglücksursache stehe derzeit noch nicht fest. Zurzeit gebe es mehr Zweifel als Erkenntnisse.

Zuvor hatten bereits mehrere andere Länder ähnliche Entscheidungen getroffen. So hatten Großbritannien, China, Indonesien und Südkorea angeordnet, dass alle Maschinen des betroffenen Typs vorerst am Boden bleiben. Auch die Flugsicherheitsbehörden in Australien und Singapur verhängten ein vorübergehendes Startverbot. Frankreich verkündete eine Sperrung seines Luftraums. 

Am Vormittag hatte der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), vor übereiltem Handeln gewarnt. "Man muss jetzt keine Schnellschüsse machen, wenn man noch gar nicht weiß, was die Ursachen für den Absturz gewesen sind", sagte er im RBB-Inforadio. Man könne nicht direkt Verbote erteilen, am Ende brauche man Belege.

Flugzeugabsturz - China stoppt Einsatz der Boeing 737 Max 8 Nach dem Flugzeugunglück in Äthiopien stoppen chinesische Airlines den Einsatz baugleicher Maschinen. Auch Ethiopian Airlines will das Modell vorerst nicht starten. © Foto: Thomas Peter/Reuters

Tui stellt Flüge mit dem Flugzeugtyp ein

Als erstes deutsches Unternehmen kündigte der Reisekonzern Tui an, alle Flüge mit diesem Flugzeugtyp würden eingestellt. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des weltgrößten Reisekonzerns. Kundinnen und Kunden, die von diesem Mittwoch an auf Flüge mit einer der 15 Boeing-Max-Maschinen gebucht sind, will der Konzern auf seiner Internetseite über Änderungen der Reisepläne informieren. 

Tui hat bei seinen Airlines in Großbritannien und den Benelux-Ländern insgesamt 15 Maschinen des Typs im Einsatz. Die deutsche Tochter Tuifly soll ihre erste Maschine der Reihe erst in einigen Wochen bekommen. Zuvor hatte Tui wiederholt betont, dass die Jets sicher seien und der Konzern sie weiterhin in der Luft lasse.

Am Sonntag war eine Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines in Äthiopien abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluggesellschaft Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben. Mehrere Länder sowie Äthiopiens nationale Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hatten Startverbote für alle Flugzeuge des Typs verfügt. 

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg bereitet die europäische Flugsicherung EASA ebenfalls ein Flugverbot für die 737 Max vor.

Boeing beharrt auf Sicherheit seiner Flugzeuge

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante und wird erst seit 2017 eingesetzt. Der US-Hersteller hat bereits mehr als 350 Maschinen ausgeliefert und noch Tausende Bestellungen in seinen Auftragsbüchern.

Derweil verteidigte der US-Flugzeughersteller Boeing die betroffene Baureihe 737 Max. "Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit", teilte der Konzern mit. Boeing äußerte aber zugleich nach etlichen Startverboten weltweit Verständnis dafür, dass Aufsichtsbehörden und Airlines "Entscheidungen treffen, die sie am angemessensten für ihre Heimatmärkte halten". 

Luftraum gesperrt: B737 Max 8 müssen umkehren

Mehrere Maschinen wie der Turkish-Airlines-Flug TK1997 mussten zurück zum Abflug-Airport.

Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben weiter mit Regulierern und Kunden zusammen, damit diese die nötigen Informationen erhielten, um Vertrauen in den Betrieb der Flotte zu haben. Boeing verwies erneut darauf, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA derzeit keine weiteren Maßnahmen fordere. Auf Basis der derzeit verfügbaren Informationen gebe es keine Grundlage, neue Anweisungen für den Betrieb der 737-Max-Flotte auszugeben. 

Die FAA hatte Boeing allerdings zu Änderungen an den Maschinen aufgefordert. Nötig seien unter anderem die Überarbeitung der Software und des Kontrollsystems MCAS, das einen Strömungsabriss verhindern soll, hieß es in einer FAA-Mitteilung. Die entsprechende offizielle Anweisung soll spätestens im kommenden April erfolgen.