FAA - US-Flugaufsicht hält Boeing 737 Max 8 für weiterhin flugtauglich Die US-Flugaufsicht sieht keinen Grund für ein Startverbot der Boeing 737 Max 8. Sollten bei der Untersuchung Risiken bekannt werden, würden Maßnahmen eingeleitet. © Foto: Pascal Rossignol/Reuters

Als Reaktion auf den Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien hat die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) den Flugzeughersteller zu Änderungen an den Maschinen dieses Typs aufgefordert. Nötig seien unter anderem die Überarbeitung der Software und des Kontrollsystems MCAS, das einen Strömungsabriss verhindern soll, heißt es in einer FAA-Mitteilung. Die entsprechende offizielle Anweisung soll spätestens im kommenden April erfolgen.

Am Sonntagmorgen war eine Ethiopian-Airlines-Maschine kurz nach dem Start von Addis Abeba Richtung Nairobi abgestürzt. Alle 149 Passagiere sowie die acht Besatzungsmitglieder starben. Der Pilot hatte nach Angaben der Fluggesellschaft Probleme gemeldet und um die Erlaubnis gebeten, kehrtzumachen. Kurze Zeit später zerschellte die Maschine.

Es war bereits das zweite Unglück innerhalb eines halben Jahres mit diesem Flugzeugtyp. Erst im Oktober war eine Boeing 737 Max 8 der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start abgestürzt – auch damals starben alle 181 Menschen an Bord. Dabei ist es höchst ungewöhnlich, dass binnen kurzer Zeit zwei Flugzeuge eines neuen Modells abstürzen.

FAA: Boeing 737 Max 8 ist zunächst flugtauglich

Als Reaktion auf die beiden Katastrophen wurde in China, Indonesien und Südkorea angeordnet, dass alle Maschinen des betroffenen Typs vorerst am Boden bleiben. Auch die Flugsicherheitsbehörden in Australien und Singapur verhängten ein vorübergehendes Startverbot. In Indien müssen Piloten, die eine Boeing 737 Max 8 fliegen, ab sofort mindestens 1.000 Flugstunden vorweisen. Co-Piloten müssen über mindestens 500 Stunden Erfahrung verfügen.

In anderen Ländern haben Fluggesellschaften entschieden, diese Flugzeuge vorerst nicht mehr zu nutzen. Die größte mexikanische Fluggesellschaft Aeroméxico kündigte an, ihre sechs Maschinen des Typs so lange am Boden zu lassen, bis nähere Informationen zur Absturzursache vorliegen. Ähnliches gilt in Argentinien für fünf Maschinen der Gesellschaft Aerolíneas Argentinas und in Brasilien für sieben Maschinen der Gesellschaft Gol.

Flugzeugabsturz - China stoppt Einsatz der Boeing 737 Max 8 Nach dem Flugzeugunglück in Äthiopien stoppen chinesische Airlines den Einsatz baugleicher Maschinen. Auch Ethiopian Airlines will das Modell vorerst nicht starten. © Foto: Thomas Peter/Reuters

Die US-Luftfahrtbehörde indes sieht bislang keinen Grund für ein Start- oder Landeverbot. "Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA mit. Man werde aber sofort Maßnahmen einleiten, sollten bei den anstehenden Untersuchungen Sicherheitsrisiken entdeckt werden. "Ich möchte den Menschen versichern, dass wir diese Zwischenfälle, diese Unfälle, sehr ernst nehmen", sagte US-Verkehrsministerin Elaine Chao.

Umstrittene Software MCAS wird aktualisiert

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Nach Angaben des US-Flugzeugherstellers wurden inzwischen mehr als 370 Maschinen dieses Typs an 47 Kunden ausgeliefert.

Boeing versprach derweil eine rasche Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware. Man habe bereits in den vergangenen Monaten ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen", teilte das Unternehmen mit. Demnach erfolgte die Überarbeitung der Software im Zuge des im Oktober abgestürzten Lion-Air-Flugs. Das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern.

Einen direkten Bezug zu dem in Äthiopien abgestürzten 737-Max-Flieger stellte Boeing nicht her, sprach den Angehörigen der 157 Todesopfer jedoch ganz am Ende des Statements seine Anteilnahme aus.