Während die Sicherheit der Autoinsassen stark zugenommen hat, sollen die neuen Assistenzsysteme vor allem andere Verkehrsteilnehmer schützen, insbesondere Fußgängerinnen und Radfahrer. Bei Unfällen mit Verletzten zählen Abbiegen, Wenden, Zurücksetzen, Vorfahrt missachten und zu hohes Tempo zu den häufigsten Ursachen.

Die neuen Assistenzsysteme gibt es allerdings nicht geschenkt. Viele Fahrzeuge der Oberklasse verfügen zwar bereits über die genannten Assistenzsysteme. Aber die EU-Verordnung dürfte die Preise von Klein- und Mittelklassemodellen steigen lassen. Wie hoch genau, können die Hersteller noch nicht abschätzen. Mercedes-Benz verweist darauf, dass bereits in der neuen A-Klasse serienmäßig ein aktiver Bremsassistent arbeitet. "Er kann effektiv unterstützen, situationsabhängige Auffahrunfälle mit langsamer vorausfahrenden, anhaltenden und stehenden Fahrzeugen sowie mit querenden Fußgängern und Fahrradfahrern in ihrer Schwere zu mindern oder ganz zu vermeiden", sagt ein Unternehmenssprecher.

"Das Jahr 2022 stellt eine anspruchsvolle Zeitschiene dar, vor allem, weil die meisten Themen noch nicht genau spezifiziert sind. Wir sehen uns grundsätzlich aber gut gerüstet", sagt der Mercedes-Benz-Sprecher. Auch bei Audi schaut man sich die Vorgaben jetzt im Detail an.

Volvo hat Kamerasystem schon vorgestellt

Die technischen Helfer verteuern nicht nur die Anschaffung, sondern auch Reparaturen. Da etliche Sensoren in Front- und Heckschürze untergebracht sind, wird der Austausch bei einem Auffahrunfall deutlich teurer. Der amerikanische Automobilverband AAA schätzt die Kosten für den Austausch einer Frontscheibe, bei der auch Sensoren und Kameras ausgetauscht werden müssen, je nach Fahrzeugmodell zwischen umgerechnet 750 und 1.700 Euro.

In einem Volvo ist in der A-Säule eine Kamera zu sehen, die den Fahrer überwacht. © Volvo

Volvo hat bereits ein Kamerasystem vorgestellt, das von beiden A-Säulen aus den Fahrer im Blick behält. Schaut er oder sie zu lange auf das Smartphone oder schließt die Augen, ertönt eine akustische Warnung. Ignoriert der Fahrer die Warnung, verlangsamt das Fahrzeug automatisch. Das System stellt dann eine telefonische Verbindung zum Servicecenter her. Reagiert der Fahrer auch darauf nicht, hält der Wagen bei nächster Gelegenheit von sich aus an. Volvo hat außerdem mit seiner Ankündigung, die Höchstgeschwindigkeit seiner Pkw auf 180 Kilometer pro Stunde zu begrenzen, für Aufsehen gesorgt.