Der Marktanteil an E-Bikes unter allen verkauften Fahrrädern steigt seit Jahren rasant. Schon 2017 hatte jedes fünfte verkaufte Fahrrad einen Elektroantrieb. "Der Anteil ist im vergangenen Jahr deutlich weiter gestiegen", sagt David Eisenberger, Sprecher des Zweirad-Industrie-Verbands. Geschätzt könnten im vergangenen Jahr knapp eine Million neue E-Bikes verkauft worden sein. Fast alle sind Pedelecs, die einen nur unterstützen, wenn man selbst in die Pedale tritt – bis zu einer Maximalgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Entsprechend wird auch der Markt für gebrauchte E-Bikes größer.

2012 hat der Gesetzgeber das Dienstfahrrad dem Dienstauto steuerlich gleichgestellt, seitdem lohnt sich auch das Geschäft mit dem Leasing von Fahrrädern. "Nach Schätzungen gibt es 200.000 geleaste Dienstfahrräder in Deutschland, die Hälfte davon sollen Pedelecs sein", sagt Thomas Geisler vom pressedienst-fahrrad. Dadurch entsteht ein wichtiger Markt für gebrauchte Pedelecs im Fachhandel. Die Räder, die nach Ende des Leasingvertrags nicht übernommen werden, verkauft der Fachhandel. Meist sind die Räder dann drei Jahre alt. Dazu kommen weitere gebrauchte Räder, die Geschäfte beim Kauf eines neuen Bikes in Zahlung nehmen, Vorführräder und gebrauchte Pedelecs von Privatpersonen.

Ein elektrisches Fahrrad verliert im ersten Jahr 30 Prozent an Wert, nach zwei Jahren ist es nur noch die Hälfte wert, hat der Verband des Deutschen Zweiradhandels in einer Umfrage unter Händlern ermittelt. Ein zwei Jahre altes E-Bike der mittleren Preiskategorie kann deshalb schon für etwa 1.250 Euro zu haben sein.

Muss man grundsätzlich misstrauisch sein, wenn jemand sein privates E-Bike wieder verkauft? War er oder sie etwa nicht zufrieden? Das muss nicht sein. Vielleicht will derjenige sich lieber die neueste Zweiradtechnologie kaufen. Oder er hat festgestellt, dass ein Mountainbike besser passen würde als ein Trekkingrad. Das hängt davon ab, welche Strecken man damit zurücklegt.

Wenn klar ist, welche Art von Fahrrad es sein soll, stellt sich die Frage: Auf was muss man beim Kauf eines gebrauchten E-Bikes achten? Vier Punkte sind wichtig:

1. Zustand des Rads

Der Akku ist das teuerste und wichtigste Teil am E-Bike: Rund 800 Euro kostet ein Akkupack. Sollte der am gebrauchten Pedelec defekt sein, wäre der Kauf ein ganz schlechter Deal. Aber wie überprüft man die Batterie? Die meisten Modelle kann ein Fachhändler auslesen. Dabei kann er feststellen, ob Zellen defekt sind. Die Daten belegen zudem, wie oft der Akku geladen wurde. Nach 500 bis 1.000 Zyklen kann die Kapazität des Akkus auf rund die Hälfte sinken. Kaputt ist die Batterie dann nicht, aber eben nur noch halb so leistungsfähig wie eine neue.

Außerdem gilt es, sich den Fahrradrahmen genau anzuschauen. Dellen und Risse im Rahmen sind Ausschlusskriterien für den Kauf, denn sie zeugen von Stürzen, Unfällen, schlechtem Umgang mit dem Rad. Eine genaue Inspektion zeigt weiterhin, ob das Rad im Keller, der Garage oder im Freien bei Wind und Wetter stand. Das sieht man am Verschleiß von Kunststoffteilen und am Zustand des Sattels. Standzeiten im Freien schaden der Elektrik.

Beim Kauf eines neuen E-Bikes ist ein Serviceheft inbegriffen. Wenn die Besitzerin alle Serviceintervalle in einer Fachwerkstatt eingehalten hat, kann der Käufer davon ausgehen, dass das Rad technisch in Ordnung ist. Bremsen, Schaltung, Licht wurden regelmäßig geprüft und gewartet. Bei einem fehlenden Serviceheft sollte der Käufer das Rad besonders genau untersuchen.

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2. Probefahrt

Egal ob ein Händler das E-Bike anbietet oder eine Privatperson: Ohne Probefahrt sollten Sie nie kaufen. Nur so erleben Sie, in welchem Zustand das Pedelec ist. Achten Sie auf klappernde Geräusche im Antrieb, testen Sie die Bremsen und den Motor in allen Unterstützungsmodi – am besten am Berg. Dann muss der Akku zeigen, was noch in ihm steckt. Lassen Sie sich nicht vom Aussehen des E-Bikes blenden, auch wenn es Ihnen noch so gut gefällt. Denn Reparaturen können schnell teuer werden. Weil es ohne Probefahrt ein großes Risiko ist, ein gebrauchtes Elektrofahrrad zu kaufen, sollten Sie von privaten Angeboten im Internet die Finger lassen, selbst wenn der Preis noch so attraktiv niedrig ist. Bilder ersetzen nicht den eigenen Eindruck.

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3. Mögliche Schnäppchen

Der Handel verkauft zum Ende der alten und zum Beginn der neuen Saison Auslaufmodelle zu günstigen Preisen. Dasselbe gilt für Testräder und Ausstellungsstücke. Solche Pedelecs haben keine oder nur wenige Kilometer auf dem Tacho, sind teilweise in einem neuen Zustand. Auch Leasingrückläufer sind meist gut gewartet. Solche E-Bikes können die wahren Schnäppchen sein.

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4. Gewährleistung

Gewerbliche Händler müssen beim Kauf eines gebrauchten Fahrrads eine mindestens einjährige Gewährleistung geben. Eigentlich sind es zwei Jahre, doch die kann der Händler vertraglich auf ein Jahr verringern. Privatleute können die Gewährleistung gänzlich ausschließen. Dafür genügt eine Formulierung wie: "Das Fahrrad wird unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung verkauft." Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club bietet auf seiner Homepage einen Musterkaufvertrag für Privatleute an.

Die Gewährleistung bietet Sicherheit vor finanziellen Verlusten. Denn der Händler muss dann Mängel beseitigen, die das Fahrrad beim Kauf schon hatte. Weil der Händler mit möglichen Mängeln kalkuliert, kann dasselbe Rad gleich einige Hundert Euro teurer sein als ein ebenso tadelloses im privaten Handel.

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