Der neue Vorzeigezug der Deutschen Bahn macht Probleme: Wie die Bahn am Donnerstag mitteilte, entsprechen die Wagenkästen des ICE 4 nicht den vereinbarten Qualitätsanforderungen. An den Zügen seien fehlerhafte Schweißnähte gefunden worden. Zuvor hatten der Spiegel und das RedaktionsNetzwerk Deutschland darüber berichtet.

Eine Bahnsprecherin teilte mit, dass die Schäden zwar nicht sicherheitsrelevant seien und die bereits fahrenden ICE-4-Züge im Einsatz blieben. Allerdings werde die Bahn vorerst keine neuen ICE 4 mehr von ihren Lieferanten Siemens und Bombardier entgegennehmen. Die Unternehmen seien aufgefordert worden, die Wagen im Rahmen der Gewährleistung auszubessern.

Siemens und Bombardier arbeiten nach eigenen Angaben an einer Lösung. Die Reparaturen dürften allerdings nicht schnell gehen, weil sie den Rohbau fertig ausgestatteter Züge betreffen würden, hieß es. Aus Industriekreisen hieß es laut der Nachrichtenagentur dpa, die fehlerhaften Schweißnähte seien auf einen einzelnen Schweißer in einem polnischen Werk zurückzuführen. Von diesem Mitarbeiter habe man sich getrennt. Schon vor dem Regelbetrieb hatte es mit dem ICE 4 Probleme bei Testfahrten gegeben. Einzelne Waggons vibrierten bei hohem Tempo auf einigen Streckenabschnitten. Der Hochgeschwindigkeitszug fährt bis zu 250 Kilometer pro Stunde.

Bisher 25 ICE 4 ausgeliefert

Für die Bahn ist das Problem schwerwiegend. Es ist der größte Auftrag ihrer Geschichte. Der Fertigungsfehler könnte langfristig zu einem höheren Wartungsaufwand führen, wie der Konzern mitteilte. Das kann bedeuten, dass die Züge häufiger in die Werkstatt müssen. Die Wagenreserve der Bahn ist jedoch knapp.

Der Konzern hält ohnehin kaum Schritt mit den wachsenden Fahrgastzahlen. Verspätungen und Zugausfälle häuften sich im vergangenen Jahr im Fernverkehr. Der ICE 4 soll das ändern. Mehr Sitzplätze, mehr Komfort und mehr Zuverlässigkeit, lautete das Versprechen.

Bislang haben Siemens und Bombardier 25 ICE 4 an die Bahn geliefert. Die ersten Exemplare sind seit Dezember 2017 im Einsatz. Vereinbart ist, dass bis zum Jahr 2023 insgesamt 119 Züge geliefert werden sollen.