Lange haben die Fans von Elektro-Tretrollern darauf gewartet, dass sie legal durch die Straßen sausen dürfen. Mitte Mai soll es so weit sein: Dann wird der Bundesrat voraussichtlich der Verordnung über "Elektrokleinstfahrzeuge" zustimmen. Damit die E-Scooter dann aber auch wirklich für den öffentlichen Verkehr zugelassen sind, brauchen sie eine Typgenehmigung. Bei serienmäßigen Fahrzeugen heißt sie Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) und wird vom Kraftfahrtbundesamt erteilt. Alle motorisierten Fahrzeuge, die schneller als sechs Stundenkilometer fahren, sind zulassungspflichtig. Wer Fahrzeuge ohne diese Erlaubnis führt, macht sich strafbar – und das droht vielen, die sich frühzeitig einen E-Roller angeschafft haben.

"Die allermeisten Elektroscooter, die heute unterwegs sind, haben keine Straßenzulassung. Und die bekommen sie auch nicht mit der geplanten Verordnung nachgeliefert", sagt Lars Zemke, Vorsitzender des Bundesverbands Elektrokleinstfahrzeuge. Die Verordnung macht also aus illegalen keine legalen Fahrzeuge. Die Hersteller wissen das und versuchen zurzeit, ihre Fahrzeuge mit hohen Rabatten loszuwerden. Fast alle erfüllen nicht die notwendigen Anforderungen. "Die intransparente Kommunikation der Bundesregierung über die neuen Regeln für E-Tretroller wird für Verbraucher zum Verhängnis", sagt Zemke. Er rät dringend, abzuwarten, bis die Verordnung durch den Bundesrat ist und klare Verhältnisse herrschen.

"Anstatt mit einem Elektroroller mobiler zu werden, haben die Käufer am Ende nur Elektroschrott", sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität. Nach Schätzungen beider Verbände sind bereits jetzt 200.000 bis 250.000 Elektroroller und elektrische Hooverboards bei uns unterwegs. Jedem einzelnen droht nach Verabschiedung der Verordnung im Bundesrat eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz.

Sind E-Roller Kraftfahrzeuge?

Zemke hat mit der Verordnung der Bundesregierung ein grundsätzliches Problem: E-Roller als Kraftfahrzeuge einzustufen, sei zu hart. Richtig wäre es gewesen, sie wie Pedelecs einzustufen, ohne Zulassung und Versicherungsschutz, sagt Zemke. Davon ging auch BMW aus, als die Münchner angefangen haben, ihren Elektro-Tretroller X2City zu entwickeln. "Ursprünglich hatten wir den Roller als Pedelec geplant", sagt Ernst Grünwald, Ingenieur bei BMW und Konstrukteur des Rollers. Das Fahrzeug bestand alle Tests bei Velotech, einem zertifizierten Prüflabor für Fahrräder. Das Unternehmen ist vergleichbar mit technischen Diensten wie der Dekra oder dem TÜV. Für jede Maschine sind solche Tests vorgeschrieben, also auch für Pedelcs: Geprüft werden Eigenschaften wie Bremsverzögerung und Rahmensteifigkeit bis hin zur elektromagnetischen Verträglichkeit mit anderen Elektrogeräten wie Herzschrittmachern.

"Als wir das Fahrzeug beim Verkehrsministerium als Pedelec genehmigen lassen wollten, wurde es in die neue Klasse der Elektrokleinstfahrzeuge eingestuft", berichtet Grünwald. Am Fahrzeug musste nicht viel geändert werden, um daraus einen Roller zu machen. Der Roller wurde als Leichtmofa eingestuft und BMW erhielt eine Allgemeine Betriebserlaubnis mit Abweichungen, weil beispielsweise weder Sitz noch Rückspiegel vorhanden sind. "Uns wurde aber versichert, dass die Typgenehmigung nicht umgeschrieben werden muss, wenn die Kleinstfahrzeugeverordnung Recht ist, sondern der Roller fortan als solcher geführt wird", sagt Grünwald. Ein anderes Modell mit Sondergenehmigung für legalen Betrieb ist der Metz Moover. Nach Angaben der deutschen Firma darf der E-Scooter auf Straßen und ähnlich wie ein Fahrrad auch auf Radwegen gefahren werden.

Die zugelassenen Roller sind zu schwer

Zemke vom Bundesverband würde sich privat aber weder den BMW- noch den Metz-E-Roller kaufen. "Meiner Meinung nach sind beide für den Alltag zu schwer und zu groß, um in öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden zu können." Der BMW wiegt knapp 20 Kilogramm, der Metz 16. Teuer sind sie mit 2.400 Euro (BMW) und 2.000 Euro (Metz) obendrein. "Man kann nun einen dieser Roller kaufen und darauf hoffen, dass die Verordnung wie geplant das Gesetzgebungsverfahren durchläuft. Oder man wartet ab, ob kleine und handliche Roller zwischen 300 und 600 Euro auf den Markt kommen", sagt Zemke. Die sind für ihn eher die Lösung für die Mikromobilität der Zukunft.

Wer nicht warten will, sollte auf Folgendes achten, wenn er mit einem Elektroroller unterwegs sein möchte: Das Fahrzeug braucht eine EG-Konformitätserklärung 2017/2018 CE des Herstellers, eine Datenbestätigung für das erworbene Fahrzeug ähnlich einem Fahrzeugschein und eine Karte für die Anmeldung zur Versicherung. Das Angebot wird dadurch sehr überschaubar.

Zemke geht davon aus, dass kein Hersteller nachträglich eine ABE beantragen wird. Zu teuer, zu aufwendig, meint auch Grünwald von BMW. "Deshalb bleiben die Leute auf ihren illegalen Geräten sitzen," sagt Zemke. Sie könnten versuchen, sie im Ausland zu verkaufen – denn in keinem anderen Land der Welt gibt es eine so umfangreiche und restriktive Verordnung, wie sie in Deutschland geplant ist.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat auf seiner Internetseite einen Artikel über Elektrokleinstfahrzeuge mit Fragen und Antworten zum Thema veröffentlicht.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes wurde Velotech mit dem Kraftfahrtbundesamt verglichen. Es ist jedoch eher mit technischen Diensten wie Dekra oder dem TÜV vergleichbar.