Der Autotransporter ist nagelneu, erzählt der Fahrer stolz. Hinten auf seinem Laster steht das neueste Fahrzeug aus dem Mercedes-Konzern: ein Brennstoffzellen-Benz mit der sperrigen Modellbezeichnung GLC F-Cell. GLC nennen die Stuttgarter ihre kompakte SUV-Modellreihe und F-Cell ist die Produktbezeichnung für den Wasserstoffantrieb des Fahrzeugs. Zusätzlich hat es aber einen aufladbaren Akku und diese Kombination macht das Auto weltweit einzigartig. Kein anderer Hersteller hat einen Brennstoffzellen-Plug-in-Hybriden im Portfolio. 

Die Stuttgarter sagen über ihren F-Cell, dass Batterie und Brennstoffzelle intelligent zusammenspielen und dass kurze Betankungszeiten das Modell "zu einem alltagstauglichen elektrischen Begleiter für die Langstrecke machen". Nur: Warum wird das Auto dann im Transporter zum Test nach Aalen extra angeliefert, wenn es doch alltagstauglich ist? Warum kommt es nicht, wie sonst üblich, auf den eigenen Rädern vorgefahren? Die Antwort liegt im Antrieb, der Brennstoffzelle.

Neu ist diese Art des Antriebs nicht. Schon 1994 präsentierte Daimler das erste Brennstoffzellenfahrzeug weltweit, ein Prototyp mit der Bezeichnung NECAR. In Kleinserien für Tests folgten 2003 die A-Klasse, seit 2007 gibt es Fahrzeuge mit Brennstoffzelle in der etwas größeren B-Klasse. Ende 2018 wurde der erste SUV F-Cell an einen Kunden übergeben. Weshalb Daimler 25 Jahre brauchte, um ein marktreifes Serienfahrzeug anzubieten, kann nur einen Grund haben: Der Automobilbauer selbst vertraut dieser Lösung nicht wirklich.

Wasserstoff lässt sich schnell tanken

Mehrmals in den vergangenen Jahrzehnten kündigte Mercedes groß Modelleinführungen an – alle wurden kleinlaut wieder verschoben. Mit dem F-Cell halten die Stuttgarter endlich Wort. Kaufen kann man das Auto allerdings nicht, sondern nur leasen, eine Möglichkeit für den Konzern, die neue Technologie in den Markt zu drücken. Am Ende der Leasinglaufzeit gibt der Kunde das Auto an den Hersteller zurück, nimmt ein neues und der Hersteller verkauft das gebrauchte.

Fahrzeuge mit Brennstoffzelle sind Elektroautos. Die Art der Stromerzeugung in einer Brennstoffzelle ist mit der in Batterien vergleichbar: Durch eine chemische Reaktion entsteht Energie. Reaktionspartner in der Brennstoffzelle sind Wasserstoff und Sauerstoff. Wasserstoff wird mit hohem Druck getankt, Sauerstoff aus der Luft entnommen. In der chemischen Reaktion entsteht aus den beiden Elementen Wasser und dadurch Energie, die in Strom umgewandelt wird. Der Vorgang ist schadstofffrei, es wird nur etwas Wasserdampf erzeugt.

Als abgasfreier Antrieb ist die Brennstoffzelle für manche daher der Heilsbringer für das Klima, mit gleich mehreren Vorteilen gegenüber einem batteriebetriebenen Stromer. Die müssen oft stundenlang geladen werden, Brennstoffzellenfahrzeuge dagegen haben ihr kleines Stromkraftwerk immer dabei. Außerdem: Wasserstoff lässt sich so schnell tanken wie herkömmlicher Sprit. Bei so viel Positivem fragt man sich zwangsläufig: Warum fahren wir dann nicht alle schon lange Brennstoffzellenautos?

Das hat mehrere Gründe. Eine Brennstoffzelle ist gegenüber einem konventionellen Verbrenner technisch vergleichsweise anspruchsvoll und daher teuer. Das ließe sich aber lösen, würden die Hersteller ihre Kompetenzen in dieser Technologie bündeln. Tun sie aber nicht, die Brennstoffzelle scheint keine wichtige Rolle für die Automobilindustrie zu spielen. In Deutschland werden nur drei PKW mit Brennstoffzellenantrieb angeboten: Neben dem Mercedes ebenfalls im Leasing ein Toyota Mirai. Der Hyundai Nexo ist das einzige Auto, das tatsächlich zu kaufen ist.