Die meisten Autofahrer fahren auf Autobahnen ohne Tempolimit 130 Stundenkilometer oder weniger. Das geht aus einer Studie des Bundesverkehrsministerums hervor, deren Veröffentlichung der Spiegel erwirkt hat. Laut der Untersuchung fahren etwa 60 Prozent aller Autofahrerinnen auf Autobahnabschnitten ohne Tempolimit maximal 130 km/h. 15 Prozent fahren zwischen 130 und 140. Schneller als 140 fahren knapp 25 Prozent aller Fahrerinnen und Fahrer.

Tempolimit führt zu weniger Rasern

Die Studie untersuchte außerdem, wie schnell Fahrerinnen und Fahrer in Abschnitten mit einem Tempolimit von 120 km/h fuhren. Lag das Tempolimit bei 120, fuhren nur etwa sieben Prozent aller Fahrer mehr als 140. Die Werte wurden von 60 Geschwindigkeitsmessstellen erhoben und sollen ein repräsentatives Bild der mittleren Geschwindigkeit des Verkehrs auf deutschen Autobahnen abbilden. Diese Werte sind wichtig, um die Qualität des Verkehrs zu messen, die Sicherheit auf der Straße festzustellen und die durch den Autobahnverkehr entstandenen CO2-Emissionen zu schätzen.

Bundesverkehrsministerium weiterhin vom System der Richtgeschwindigkeit überzeugt

Die Daten wurden zwischen 2009 und 2014 erhoben. Die Studie erschien bereits 2016, wurde jedoch erst jetzt auf mehrfache Nachfrage des Spiegels veröffentlicht. Auch das Umweltbundesamt habe die Studie noch nicht gekannt. Das Amt will sich nun laut dem Spiegel mit den Ergebnissen der Studie beschäftigen. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte, man ziehe aus den Daten die Gewissheit, dass "das System der Richtgeschwindigkeit sowie der situativen Geschwindigkeitsbegrenzung funktioniert".

Die Studie äußert sich nicht dazu, wie viel CO2 ein Tempolimit auf Autobahnen einsparen könnte. Darüber wird seit Monaten gestritten. Mitte Januar wurde ein Papier der Verkehrskommission öffentlich, die im Auftrag des Verkehrsministeriums untersucht, wie CO2-Emissionen im Verkehr eingespart werden können. In dem Papier stand, ein Tempolimit sei eines von mehreren Mitteln, um die Emissionen im Verkehr zu senken.

Um Tempolimits wird seit Monaten gestritten

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte danach gesagt, die Überlegungen seien "gegen jeden Menschenverstand". Auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat sich gegen ein generelles Tempolimit ausgesprochen. Auf einem großen Teil der deutschen Straßen gebe es bereits ein Tempolimit. Dadurch ließe sich kaum CO2 einsparen.

Die Deutsche Umwelthilfe dagegen fordert ein Tempolimit von 120 auf Autobahnen und sagt, damit ließen sich etwa fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war der Autoverkehr in Deutschland im vergangenen Jahr für die Emission von 115 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich.

Neben der Möglichkeit, CO2-Emissionen einzusparen, werden Tempolimits auch diskutiert, um zu höherer Sicherheit auf der Straße zu führen. Deutschland ist eines der wenigen Länder weltweit, in dem es keine generelle Beschränkung der Geschwindigkeit auf Autobahnen gibt. Sie ist zwar streckenweise eingeschränkt, doch sobald die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben ist, können Autofahrerinnen und Autofahrer nach Belieben beschleunigen.