Die Woche vor Ostern, die Heimfahrt von Berlin nach Köln ist immer noch nicht gebucht. Bei der Deutschen Bahn gibt es jetzt nur noch den Flexpreis – und der ist am beliebten Gründonnerstag extrateuer: 120 Euro, selbst mit Bahncard 25. Auf die Flugpreise scheinen sich die Feiertage dagegen kaum auszuwirken. Ryanair bietet den günstigsten Platz für 24 Euro an. Bei EasyJet sind es 40 Euro. Wer die Umwelt schonen will, zahlt ordentlich drauf.

Wieso ist die Bahn so teuer? Gerade vor Feiertagen fragen sich das immer wieder viele Deutsche. Und so ist es wohl kein Zufall, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) genau in der Karwoche die reduzierte Mehrwertsteuer für Fernverkehrstickets vorschlug. Mit sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer würden Bahnfahrer um 400 Millionen Euro jährlich entlastet, sagte Scheuer der Bild-Zeitung: "Wem es mit dem Klimaschutz und dem Umstieg von Auto oder Flugzeug auf die Bahn ernst ist, der muss bei der Steuer ansetzen." Bahnchef Richard Lutz versprach daraufhin fünf Millionen neue Bahnfahrer.

Wie viele Tonnen CO2 sich dank Steuerrabatt auf Bahntickets einsparen lassen, wollte das Verkehrsministerium auf Anfrage jedoch nicht sagen. Dabei liegt dem Ministerium dazu eine eigens in Auftrag gegebene Untersuchung vor. Laut der 2017 veröffentlichten Studie könnten geringere Steuern und Abgaben auf Bahntickets jährlich 500.000 Tonnen CO2 einsparen. Die Autoren gingen bei dieser Rechnung allerdings davon aus, dass die Mehrwertsteuer auf Bahntickets komplett abgeschafft und auch Stromsteuer und EEG-Umlage für die Bahn reduziert würden. Außerdem sollten die Gebühren, die die DB Netz AG für die Nutzung der Trasse erhebt, halbiert werden. Nur die Mehrwertsteuer zu senken, brächte laut der Nachrichtenagentur Reuters dagegen nur eine Ersparnis von 300.000 Tonnen.

Scheuer will Subventionen mit Subventionen bekämpfen

Zur Einordnung: Bis 2030 müssen im Verkehr laut Klimaschutzplan der Bundesregierung etwa 50 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich eingespart werden. Scheuers Vorschlag brächte nicht mal ein Prozent der erforderlichen CO2-Einsparung. 400 Millionen Euro wären dafür ein stolzer Preis. Dass der Steuerrabatt auf Bahntickets klimapolitisch ineffektiv ist, sollte allerdings niemanden verwundern. Denn Scheuer schlägt vor, Subventionen mit einer Subvention zu bekämpfen.

Auf 28,6 Milliarden Euro beziffert das Umweltbundesamt (UBA) die "umweltschädlichen Subventionen" im Verkehr. Davon fallen nicht alle auf längeren Strecken an. Dennoch erhielte der Fernverkehr der Bahn durch die geringere Mehrwertsteuer nicht ansatzweise Chancengleichheit. Laut der Studie des Umweltbundesamtes sparten Dieselfahrerinnen und -fahrer im Untersuchungsjahr 2012 etwa 7,4 Milliarden Euro dank der geringeren Energiesteuer. Und Firmenwagenfahrer profitierten mit gut drei Milliarden Euro von der Dienstwagenpauschale. Doch der König der Verkehrssubventionen war mit knapp zwölf Milliarden Euro ausgerechnet der besonders klimaschädliche Flugverkehr.

Während die Bahn Stromsteuer und EEG-Umlage zahlt, müssen die Fluggesellschaften auf Kerosin keinen Cent Steuern abführen. 500 Millionen Euro sparten die Airlines im Inlandsverkehr so laut UBA. Noch krasser werden die Fluggesellschaften im länderübergreifenden Verkehr begünstigt. Denn bei Auslandsflügen entfällt die Mehrwertsteuer komplett. Auch die Luftverkehrsabgabe, die dem Fiskus etwa eine Milliarde Euro jährlich einbringt, macht diesen Wettbewerbsvorteil nicht wett.

Günstiger für den Staat wäre es, wenn die Verkehrsträger endlich ihre externen Kosten – wie die Umweltverschmutzung – selbst bezahlen würden. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) schlägt dafür eine CO2-Abgabe vor und nannte einen möglichen Preis von 20 Euro für jede Tonne CO2. Der tatsächliche Schaden liegt laut Umweltbundesamt zwar mit 180 Euro weit höher, aber Schulze möchte vermeiden, dass die neue Steuer die Bürger überfordert. Die Abgabe soll deshalb schrittweise erhöht werden. Außerdem sollen die Bürgerinnen an anderer Stelle entlastet werden.