Im Bahnverkehr würde eine CO2-Steuer laut der Denkfabrik Agora Verkehrswende kaum für zusätzliche Kosten sorgen. Die Bahn fahre überwiegend mit Strom, und da würde der CO2-Ausstoß schon über den europäischen Emissionshandel bepreist. Gleiches gilt allerdings auch für den innereuropäischen Flugverkehr. Das zeigt, wie kompliziert eine ausgewogene Besteuerung von Umweltschäden ist. Wer den Flugverkehr stärker heranziehen will, müsste entweder die Luftverkehrsabgabe deutlich erhöhen oder eine Kerosinsteuer einführen.

Aber könnte der Mehrwertsteuerrabatt für Bahnfahrer nicht zumindest dem Ärger über teure Bahntickets entgegenwirken? "Ich erwarte, dass das für stabile Preise sorgt", sagt Philipp Kosok vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Deutschland passe sich damit endlich europäischen Standards an. In vielen EU-Ländern gibt es die reduzierte Mehrwertsteuer für die Bahn bereits. Und in Schweden, Österreich und Großbritannien wird auf Bahntickets überhaupt keine Umsatzsteuer erhoben. 

An Feiertagen wird der Mehrwertsteuerrabatt jedoch kaum für geringere Preise sorgen. Denn die Deutsche Bahn hat inzwischen erfolgreich die Preisgestaltung der Billigflieger kopiert. Supersparpreise von 19 Euro sorgen für eine Grundauslastung der Züge. Je nach Nachfrage zieht sie die Ticketkosten anschließend deutlich an. Zu Topreisezeiten, etwa am Freitagabend oder vor Feiertagen, sind dann nicht nur die Sparpreise schnell vergriffen, auch die in Flexpreis umbenannten Normalpreise sind noch mal deutlich teurer als sonst.

Der Durchschnittskunde zahlt nur 42 Euro

Berthold Huber, Vorstand für Personenverkehr der Deutschen Bahn, verteidigt die Preisgestaltung der Bahn. Sie sorge für eine bessere Verteilung der Fahrgäste, sagte er dem Tagesspiegel. Auch Philipp Kosok vom VCD hält das Preissystem der Bahn deshalb im Grundsatz für richtig. Allerdings schrecke der hohe Flexpreis nach wie vor viele ab. Laut der Bahn sind Kunden im Fernverkehr im Durchschnitt 285 Kilometer unterwegs und zahlen dabei 42 Euro. "Die Bahn ist preiswerter als ihr Ruf", kommentiert Kosok. Er empfiehlt jedoch, das Preissystem weiter zu vereinfachen, denn das sei vielen Kunden zu komplex.

Mit ihren Preisen liegt die Deutsche Bahn im europäischen Durchschnitt, sagt der Verkehrswissenschaftler Martin Randelhoff von der TU Dortmund. Er hat bereits 2013 die Kosten im deutschen Fernverkehr mit denen in Frankreich, Großbritannien und Italien verglichen. Wesentliches habe sich seitdem nicht verändert, sagt Randelhoff. Trotzdem ist er überzeugt: Die Bahn könnte noch viel billiger sein.

Entscheidend seien die Preise, die die DB Netz AG für die Nutzung der Trassen erhebt – auch von der DB Fernverkehr. In Italien und Tschechien finanzierten die Trassengebühren nur die Kosten für die jeweilige Zugfahrt und nicht wie in Deutschland die Erhaltung des Gesamtnetzes. Deshalb seien die Tickets dort viel günstiger. Die niedrigen Trassenpreise lockten zudem auch private Bahnfirmen an. Der Wettbewerb lässt die Preise dann weiter sinken.

In Deutschland machen die Tochterunternehmen der Bahn, die die Trassen bereitstellen, sogar Gewinne und verhindern so günstigere Tickets. "In der deutschen Bahnpolitik fehlt es an einer klaren Strategie", sagt Verkehrswissenschaftler Randelhoff. Österreich und die Schweiz etwa verpflichteten ihre Staatsbahnen nicht zur Profitmaximierung, sondern dazu, möglichst viel Verkehr auf die Schiene zu verlagern, und das bei bestmöglicher Qualität. Entsprechend günstig, pünktlich und sauber seien die Züge. Soll die Deutsche Bahn Ähnliches erreichen, muss die Bundesregierung mehr verändern als nur den Mehrwertsteuersatz der Tickets.