Besteht bei Verkehrsunfällen nicht die Pflicht, den Unfallort möglichst zügig und so rasch wie möglich wieder für den laufenden Verkehr freizugeben? Manchmal habe ich den Eindruck, dass die zuständigen Personen wie Feuerwehr oder Polizei alle Zeit der Welt haben, während viele Verkehrsteilnehmer im Stau und unter Zeitdruck stehen und verzweifeln, will ZEIT-ONLINE-Leser Norbert Fröhlich wissen.

Damit die Regale im Supermarkt stets gefüllt sind, rollen viele Güter in Lastwagen über Autobahnen und Landstraßen. Kommt es zu Unfällen, verursacht die verrutschte oder auch verlorene Ladung oft vor allem ein großes Durcheinander. Dramatischer sind Unfälle, bei denen Personen schwer verletzt wurden. Wenn in solchen Situationen eine Straße unpassierbar wird, entscheidet die Polizei meistens, die betroffenen Abschnitte zu sperren. Das kann auch alle Fahrbahnen einer Autobahn betreffen, wenn die Einsatzkräfte und Notärzte Platz benötigen, um Verletzte zu versorgen und mit Krankenwagen oder Hubschrauber abzutransportieren.

"Grundsätzlich ist die Polizei bei Unfällen vor Ort und sichert die Unfallstelle ab, sie sorgt für notwendige Umleitungen oder sperrt die Durchfahrt. Ist sie vor der Feuerwehr oder den Rettungsdiensten zur Stelle, leistet sie auch Erste Hilfe", sagt Herbert Engelmohr, Jurist und Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD). Denn wenn über die Rettungsstellen ein schwerer Unfall gemeldet wird, gehe automatisch auch eine Information an die Polizei. "Sie entscheidet, ob einzelne Spuren oder die gesamte Fahrbahn gesperrt wird", sagt Engelmohr. "Auf Autobahnen sprechen sich die Polizisten immer mit den Verkehrsleitzentralen und Autobahnmeistereien ab."

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An der Unfallstelle kümmern sich je nach Situation Feuerwehr und Rettungsdienste zunächst darum, Verletzte zu versorgen und sicher abzutransportieren. Gerade wenn Unfallopfer in Lebensgefahr schweben und schwer verletzt sind, kann es sein, dass ein Rettungshubschrauber sicher landen und wieder starten muss. Dafür bleibt meistens die komplette Fahrtbahn gesperrt. Auch der Abtransport von demolierten Fahrzeugen oder verlorener Ladung muss organisiert werden. "Manchmal müssen für das Abschleppen Kräne für Bergung geordert werden oder Transportfahrzeuge, die eine verunglückte Ladung bergen können", sagt Engelmohr.

Jedes Bundesland verfügt über interne Arbeitsanweisungen, wie die Polizei vorzugehen hat. Weil jeder Unfall anders ist, sind die Empfehlungen sehr allgemein gehalten. Engelmohr verweist als Beispiel aus dem Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen, wo es heißt: "Insbesondere für Verkehrsunfälle auf Bundesautobahnen gilt, dass die Ermittlungen des Sachverhaltes, die Sicherung von Beweisen und erforderliche Bergungsarbeiten so auszuführen sind, dass notwendige Straßensperrungen zeitlich so kurz und räumlich so gering wie möglich vorgenommen werden. Wenn die Unfallsituation es zulässt, ist der Verkehr an der Unfallstelle vorbeizuführen. Die Polizei achtet ferner darauf, dass außerhalb der Fahrstreifen anfallende Bergungsarbeiten in den verkehrsschwachen Zeiten durchgeführt werden."

Standardisierte Zeitpläne für die Räumungsarbeiten nach einem Unfall gibt es also nicht. Die wartenden Autofahrerinnen und Autofahrer können nur darauf vertrauen, dass die Beamten ihre Aufgaben so schnell erledigen, wie es die Situation zulässt.