Der gebundene Wasserstoff eignet sich auch gut für den Transport an zukünftige Wasserstofftankstellen, denn er muss nicht aufwendig gekühlt oder verdichtet werden. LOHC lässt sich in üblichen Tankfahrzeugen transportieren und in bestehenden Tanks an Tankstellen lagern. Schon soll es eine erste Tankstelle geben, an die LOHC geliefert wird. Die ist in Finnland und soll noch dieses Jahr in Betrieb gehen. Derzeit baut Hydrogenious die Anlage dafür, um an der Tankstelle den Wasserstoff freizusetzen, ihn zu verdichten und als Druckwasserstoff in klassischen Wasserstofffahrzeugen zu nutzen.

Im nächsten Schritt entwickeln die Forscher eine Technologie, mit der der Wasserstoff auf einem Zug freigesetzt wird, ohne ihn vorher zu verdichten und unter Hochdruck zu tanken. Das Forschungsprojekt wird vom Freistaat Bayern gefördert. "Im Vergleich zur stationären Tankstelle vibriert ein Fahrzeug im Betrieb, was diese Technologie anspruchsvoller macht", sagt Wasserscheid. Parallel zu arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung einer Brennstoffzelle, die direkt aus beladenem LOHC Strom erzeugt.

Allerdings konzentrieren sich die Forscher in diesen nächsten Schritten auf große Fahrzeuge wie Schiffe, Züge und Lkw. "Wir sind davon überzeugt, dass sich Wasserstoff in großen und schweren Fahrzeugen durchsetzt, die lange Strecken fahren und viel Energie verbrauchen", sagt Wasserscheid. In kleinen Fahrzeugen für kurze Strecken wird sich eher die Batterietechnologie durchsetzen, glaubt auch er.

Ein Drittel der Energie geht verloren

Andere Forscher zweifeln am Erfolg der Methode, zum Beispiel Ludwig Jörissen vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg. Mindestens ein Drittel Energie gehe verloren, wenn Wasserstoff in einer Trägerflüssigkeit gespeichert wird. Wenn man geladenen Wasserstoff auf einem 40-Tonner-Lkw transportiere, seien davon drei Tonnen Wasserstoff und 30 Tonnen Ballast für die Trägerflüssigkeit. "Das ist wenig sinnvoll", sagt Jörissen. Er bewertet die Methode bestenfalls als ebenbürtig mit flüssigem Wasserstoff.

Außerdem sei die Trägerflüssigkeit Dibenzyltoluol nicht unbegrenzt haltbar. "Es gilt die alte Weisheit aus dem Chemielabor: Was lange und heiß kocht, wird endlich schwarz", sagt Jörissen. Gespeichert wird der Wasserstoff im Trägerstoff bei etwa 200 Grad Celsius und freigesetzt bei 300 Grad Celsius. "Mit der Zeit hinterlassen diese hohen Temperaturen Zersetzungsspuren des Trägermediums im Wasserstoff", sagt der Forscher. Dann müsse der Wasserstoff eventuell gereinigt werden, bevor er benutzt werden kann. Deshalb hält Jörissen den LOHC-Prozess für zu aufwendig, um ihn in Autos, Bussen oder Zügen unterzubringen. Sinnvoll könne die Methode aber bei großen Schiffen sein: "In dieser Größenklasse hätte die Sache einen gewissen Charme."