Ein häufig genanntes Argument gegen die Citymaut ist, dass sie ärmere Menschen stärker belaste. Doch das stimmt nicht unbedingt, sondern hängt davon ab, wie die Gebühr gestaltet wird. Andreas Knie schlägt vor, Menschen mit niedrigem Einkommen von ihr zu befreien.

In mancher Hinsicht könnten gerade Menschen mit geringem Einkommen stärker von einer Citymaut profitieren als andere. Sie leben häufiger in Gegenden mit viel Verkehr, wo die Luftverschmutzung hoch ist. Fahren weniger Autos, spüren sie es zuerst. Eine Studie des King's College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine kam deshalb zu dem Ergebnis, dass die Menschen in ärmeren Stadtvierteln besonders von der Maut profitieren. In ihren Vierteln sank die Luftverschmutzung stärker als anderswo. 

Umgekehrt werden Menschen mit höherem Einkommen stärker von einer Citymaut belastet. Eine Übersicht des ADAC zeigt, dass in Deutschland die Wahrscheinlichkeit, ein Auto zu besitzen – oder mehrere –, mit dem Haushaltseinkommen steigt.

Steigende Zustimmung

Ähnlich wie in Stockholm, wo die Zustimmung zur Citymaut nach der Testphase höher war als zuvor, war es auch in London. Dort fanden vor der Einführung der Citymaut etwa 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die Idee gut. Drei Jahre später waren es mehr als die Hälfte. Das ergibt sich aus einem Bericht für die US Verkehrsbehörde. Jonas Eliasson, der die Citymaut in Stockholm mit ausgearbeitet hat, sagt: "Die meisten überschätzen, wie viel Mühe ihnen die Gebühr machen wird, und unterschätzen die Vorteile. Sobald die Gebühr eingeführt ist, ändert sich das: Die Vorteile stellen sich als viel größer heraus, als man zuvor dachte, und die Menschen merken, dass es weniger schwierig ist, sich an die neuen Regeln anzupassen."

Kontrolle und Datenschutz

In London, Stockholm, Göteborg und Mailand wird die Citymaut durchgesetzt, indem die Kennzeichen mit Kameras erfasst werden. In Deutschland wäre das aus Datenschutzgründen eher schwierig. Doch andere Systeme seien komplizierter und damit teurer, sagt Verkehrswissenschaftler Sieg. Möglich wäre zum Beispiel ein System aus Mautbrücken wie für die Lkw-Maut.