ZEIT ONLINE: Die Gesundheitsbehörde im texanischen Austin registrierte innerhalb von drei Monaten 190 verletzte E-Tretrollerfahrer, von denen jeder zweite Kopfverletzungen erlitt. Wäre eine Helmpflicht sinnvoll?

Leuschner: Man muss die Zahl der Unfälle immer ins Verhältnis setzen. Wenn man sie mit der Zahl der Unfälle durch Autos vergleicht, wird deutlich, dass es eigentlich nicht besonders viele sind. Außerdem werden die Scooter immer stabiler und sicherer, die Bremskraft wird besser, dadurch wird der Anteil der Scooterfahrer, bei denen ein Unfall passiert, zurückgehen. Wir empfehlen unseren Kunden auch, einen Helm zu tragen. Aber es ist logistisch kaum möglich, jedem Kunden bei jeder Fahrt einen Helm zur Verfügung zu stellen.

ZEIT ONLINE: Bedenken gibt es nicht nur wegen der Sicherheit der Scooterfahrer, sondern auch wegen der anderen Verkehrsteilnehmer.

Leuschner: Neue Formen der Mobilität brauchen immer Zeit, um anzukommen. Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich daran gewöhnen. Irgendwann wird es ein selbstverständlicher Teil unserer Mobilität zu sein. Bis dahin müssen alle lernen, Rücksicht zu nehmen – sowohl die Scooterfahrer als auch Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger.

ZEIT ONLINE: Also nehmen Sie in Kauf, dass es erst mal vermehrt zu Unfällen kommt?

Leuschner: Nein, ich meine damit, dass am Anfang alle vorsichtiger sein müssen. Deshalb stellen wir auch erst mal auch nur eine kleinere Zahl von Scootern auf die Straße und versuchen, die Nutzer zu sensibilisieren. Dafür werden wir auch mit Veranstaltungen auf der Straße präsent sein und den Leuten zeigen, wie man sicher Scooter fährt.

ZEIT ONLINE: Sie behaupten, dass Scooter den Autoverkehr reduzieren werden. Naheliegender scheint es, dass die Menschen stattdessen weniger laufen und Busse und Bahnen meiden.

Leuschner: Das bezweifle ich. Die durchschnittliche Fahrt bei uns ist drei Kilometer lang – so weit gehen die Wenigsten zu Fuß. Deshalb ist es die perfekte Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.

ZEIT ONLINE: Für drei Kilometer kann ich auch den Bus nehmen oder das Fahrrad.

Leuschner: In einer Stadt wie Berlin reichen drei Kilometer oft nicht aus. Dann kann ich den Großteil der Strecke mit der Bahn zurücklegen und den Rest mit dem Scooter. Außerdem gibt es Gründe, warum die Menschen in bestimmten Situationen nicht Bus oder Fahrrad nutzen wollen. Zum Beispiel, weil sie nicht auf den Bus warten wollen oder weil ihnen Fahrradfahren gerade zu anstrengend ist. Mit der U-Bahn kann man nicht von Haustür zu Haustür fahren, mit dem Scooter schon. Gerade bei viel Verkehr werden die Leute vom Auto auf den Scooter umsteigen.

ZEIT ONLINE: Die Roller sind oft kein Ersatz fürs Auto, weil man niemanden mitnehmen, nichts transportieren kann und bei Regen nass wird.

Leuschner: In den allermeisten Autos sitzt nur eine Person. Es regnet nicht jeden Tag. Und wenn wir es schaffen wollen, den Autoverkehr zu reduzieren, sollten wir Alternativen ermöglichen und nicht darüber reden, ob man dann vor Regen geschützt ist. Zudem gelten die genannten Argumente genauso fürs Fahrrad – und da sind sich alle einig, dass es eine tolle Erfindung ist. Ich denke, in absehbarer Zukunft wird die öffentliche Meinung über Scooter und Fahrräder ähnlich positiv sein.