ZEIT ONLINE: Aus den USA gibt es Berichte, dass ein Roller durchschnittlich nur eine Lebensdauer von 28 Tagen hat. Ist das ökologisch verantwortbar und wirtschaftlich rentabel?

Leuschner: Da ging es um Scooter der ersten Generation, inzwischen sind wir bei der dritten. Die Scooter, die wir im Oktober in Wien aufgestellt haben, sind größtenteils noch verfügbar, weil wir sie bei Tier täglich einsammeln und instand setzen. Wir gehen bei uns aktuell von einer Lebensdauer von sechs bis sieben Monaten aus. Und danach sind die Scooter nicht komplett kaputt. Wir können Teile davon weiterverwenden und die Batterie recyceln. Wir sind aber noch nicht da, wo wir hinwollen, das stimmt. Die Fahrzeuge, die wir in Deutschland aufstellen, sollen mindestens ein Jahr halten.

ZEIT ONLINE: Bedeuten die Scooter bei einer Lebensdauer von sechs Monaten schon einen Fortschritt fürs Klima? Schließlich dürfte die Produktion sehr energieintensiv sein.

Leuschner: Den genauen CO2-Abdruck müssen wir erst noch ausrechnen. Aber bei der Produktion eines Scooters fällt ein Bruchteil des CO2s an, das bei der Produktion eines Autos entsteht. Und wir laden sie großteils mit Ökostrom, bald sogar vollständig. Deshalb wir sind überzeugt: Gemeinsam mit dem Nahverkehr sind die Scooter nach dem Fahrrad die nachhaltigste Fortbewegungsweise in der Stadt.

ZEIT ONLINE: In anderen Ländern wurden Roller in Flüsse geworfen, in Bäume gehängt oder mutwillig zerstört. Wie erklären Sie sich diese Wut?

Leuschner: Es gibt immer Chaoten. Aber ich bin sicher: Der Großteil der Deutschen freut sich, nicht mehr mit dem Auto im Stau zu stehen. Im Ausland wurden mit unseren Scootern schon mehr als eine Million Fahrten unternommen. Wir haben positive Rückmeldungen von den Städten und den Kunden. Manche Menschen brauchen wohl einfach länger als andere, um sich an Innovationen zu gewöhnen.

ZEIT ONLINE: Vielleicht liegt es daran, dass in den Städten sowieso schon zu wenig Platz ist? Auf Berliner Radwegen gibt es im Sommer jetzt schon Stau.

Leuschner: Deswegen müssen wir endlich umdenken. In kaum einem anderen Land der Welt sind die Menschen so sehr aufs Auto fixiert wie bei uns. Bei der Stadtplanung wurden immer die Autos in den Mittelpunkt gestellt, Fußgänger oder Radfahrer mussten sich mit dem bisschen Platz begnügen, der übrigblieb. In Skandinavien oder den Niederlanden hat schon vor 30 Jahren ein Umdenken eingesetzt, das jetzt auch bei uns kommt. Nun wollen wir als Unternehmen gemeinsam mit der Politik Wege finden, eine menschenfreundliche Stadtplanung in die Wege zu leiten – mit einer Infrastruktur für Menschen, nicht für Autos.

ZEIT ONLINE: Wenn jemand einen Roller in die Spree schmeißt, holen Sie ihn dann eigentlich wieder raus?

Leuschner: Wir können den Standort von Scootern anzeigen lassen und haben auch schon welche aus Flüssen geholt.