Das vollelektrische Flugtaxi des Start-ups Lilium aus Bayern hat erfolgreich seinen Jungfernflug absolviert. Der Flug habe schon Anfang Mai auf dem Versuchsgelände der Unternehmenszentrale stattgefunden, teilte Lilium mit. Nun sollen weitere Testflüge stattfinden. Das Unternehmen plant, ab 2025 in mindestens zwei Städten einen kommerziellen Flugtaxibetrieb anzubieten.

Firmengründer Daniel Wiegand sagte, der Prototyp sei bei dem Testflug senkrecht gestartet und auf der Stelle geschwebt. Als Nächstes werde man "Manöver fliegen und in den Vorwärtsflug übergehen". Wiegand sprach von einem "riesigen Schritt für die Realisierung einer individuellen urbanen Flugmobilität". In weniger als zwei Jahren sei es gelungen, "ein Luftfahrzeug zu entwerfen, zu bauen und erfolgreich zu fliegen, das uns nun als Grundlage für die geplante Massenproduktion dienen wird". Tendenziell sei das Flugzeug "günstiger als ein Hubschrauber, weil fast keine Mechanik drinsteckt und es nur ein Zehntel der Energie verbraucht".

Der fünfsitzige Lilium Jet wird von 36 Elektromotoren angetrieben. Nach Unternehmensangaben kann das Flugtaxi die Reichweite von 300 Kilometern in 60 Minuten zurücklegen. Für den Reiseflug soll es weniger als zehn Prozent der maximalen 2.000 PS benötigen. Mit 300 Stundenkilometern könne man eine Stunde lang fliegen. Passagiere sollen über eine App den nächstgelegenen Landeplatz finden und die Reise planen können.

"Preise wie mit einem Taxi"

Damit sei der Lilium Jet "sehr effizient", der Energieverbrauch entspreche dem eines Elektroautos über die gleiche Strecke. So könne man nicht nur Vororte an Stadtzentren und Flughäfen an Hauptbahnhöfe anbinden, sondern auch bezahlbare Hochgeschwindigkeitsverbindungen über ganze Regionen hinweg bereitstellen. Das erst 2015 gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit rund 300 Mitarbeiter. Wiegand kündigte an, vier Fabriken und einige Hundert Stellen in Deutschland aufzubauen.

Bei den Testflügen wird der Prototyp ferngesteuert, im Betrieb soll er zunächst von Piloten geflogen werden. "Das vereinfacht die Lizenzen und Zulassungen", sagte Wiegand. "In zehn Jahren vielleicht soll es aber auch autonom fliegen können." Von Audi sei der ehemalige Leiter des autonomen Fahrens zu Lilium gewechselt. Das Unternehmen will alle Maschinen selbst betreiben. "Dass wir das Flugzeug an reiche Privatleute oder Firmen verkaufen, schließe ich aus", sagte Wiegand. Ziel sei, dass viele Bürger Flüge "für Preise wie mit einem Taxi" buchen.

Der chinesische IT-Konzern Tencent und andere Investoren haben Lilium bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar (aktuell 89,3 Mio Euro) zur Verfügung gestellt. Auch andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Flugzeugen. Das Karlsruher Start-up Volocopter hat schon seit 2016 die deutsche Verkehrszulassung für ein zweisitziges elektrisches Flugtaxi. Anfang Mai hat der elektrische CityAirbus des Flugzeugbauers Airbus seinen Erstflug geschafft, auch der US-Konkurrent Boeing arbeitet an einem autonomen Lufttaxi.