Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) zwingt Daimler, 60.000 Dieselautos des Mercedes GLK zurückzurufen. Das bestätigte ein Sprecher von Daimler der Nachrichtenagentur AFP. Zuerst hatte die Bild am Sonntag über den Rückruf berichtet. Konkret geht es um den Sportgeländewagen Mercedes-Benz GLK 220 CDI der Euro-5-Abgasnorm. Das KBA wirft Daimler vor, in den Autos eine illegale Abschaltvorrichtung zur Abgasmanipulation verbaut zu haben. Die verbaute Software soll den Ausstoß von Stickoxiden auf dem Prüfstand künstlich niedrig gehalten haben. Im täglichen Verkehr dagegen habe der Wagen deutlich mehr Stickoxide ausgestoßen. Daimler bestreitet, betrogen zu haben. Ein Sprecher sagte, das Unternehmen wolle sich gegen den Vorwurf juristisch wehren.

Bereits im April hatte das KBA in dem Fall ein formelles Anhörungsverfahren gegen Daimler eingeleitet. Die Bild am Sonntag berichtete damals, das KBA sei bereits im Oktober 2018 auf die umstrittene Softwarefunktion bei dem Vierzylinderdieselmotor OM 651 gestoßen. Weitere Emissionsmessungen bei einem Modell mit GLK-Antrieb hätten den Verdacht im April erhärtet. Das KBA habe damals herausgefunden, der gesetzliche Grenzwert für Stickoxide im Neuen Europäischen Prüfzyklus werde nur eingehalten, wenn die sogenannte Kühlmittel-Solltemperatur-Regelung aktiv sei: Sie halte den Kühlmittelkreislauf künstlich kälter, verzögere die Aufwärmung des Motoröls und sorge so dafür, dass der Grenzwert für Stickoxide eingehalten werde. Im Straßenbetrieb sei die Funktion dagegen deaktiviert und der Euro-5-Grenzwert von 180 Milligramm Stickoxid pro Kilometer deutlich überschritten worden.

Daimler soll die fragliche Funktion per Update entfernt haben

Das KBA hatte im April damals laut Bild am Sonntag außerdem herausgefunden, dass die entdeckte Funktion bei Softwareupdates von Daimler entfernt worden sei. "Die Behauptung, dass wir mit der freiwilligen Servicemaßnahme etwas verbergen wollen, ist unzutreffend", hatte ein Daimler-Sprecher dazu im April gesagt. Auf die Frage, welche Verantwortung der heutige Daimler-Vorstandschef Ola Källenius für die Situation habe, sagte Daimler: "Herr Källenius gibt persönlich keine Softwareupdates frei." Källenius war im April noch Entwicklungsvorstand von Daimler, seit dem 22. Mai ist er Vorstandschef. Er folgte auf Dieter Zetsche, der den Posten aufgegeben hatte.

Das KBA hat Daimler bereits mehrfach zu amtlichen Rückrufen verpflichtet. Im Juni 2018 musste Daimler deutschlandweit 238.000 Fahrzeuge wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung zurückrufen. Insgesamt waren von der Aktion in Europa 774.000 Fahrzeuge betroffen. Daimler leitete die Rückrufe zwar ein, legte aber Widerspruch gegen sämtliche Bescheide ein. Es ging im Juni neben dem zuvor bereits zurückgerufenen Mercedes-Kleintransporter Vito auch um C-Klasse-Modelle und den Geländewagen GLC.

Angefangen hatte der Dieselskandal im September 2015. Damals wurde bekannt, dass Volkswagen weltweit in etwa elf Millionen Dieselautos unterschiedlicher Marken eine illegale Software zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut hatte. Volkswagen hat den Betrug zugegeben. Seitdem werden auch andere Autobauer verdächtigt, Abgaswerte ihrer Diesel-Modelle manipuliert zu haben. Betroffen sind neben VW die Konzerntöchter Audi, Škoda und Porsche. Auch Opel ist betroffen. BMW musste wegen fehlerhafter Abgasreinigungssysteme im Februar ein Bußgeld von 8,5 Millionen Euro zahlen. Das Bußgeld wurde verhängt, weil BMW mangelhafte Qualitätssicherung betrieben habe. Ein Betrug konnte dem Unternehmen aber nicht nachgewiesen werden.