In Österreich und der Schweiz gibt es eine Vignettenpflicht. Gibt es denn Regeln, wo die "Pickerl" befestigt sein müssen?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Franz Ziegler.

Wer nach Österreich oder in die Schweiz mit dem eigenen Wagen reisen und dort die Fernstraßen nutzen will, benötigt eine Vignette. Das Pickerl, wie die gelbe Vignette vor allem in Österreich auch genannt wird, bescheinigt die bezahlte Maut. "Wo eine Mautplakette angebracht sein muss, regelt nicht die Straßenverkehrsordnung. Es handelt sich um amtliche Vorschriften mit Regelungscharakter, die bei Nichtbeachtung sanktioniert werden können", erklärt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD).

In Österreich kümmert sich die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungsaktiengesellschaft (ASFiNAG) in staatlichem Auftrag um die Fernstraßen der Alpenrepublik. Zu den Aufgaben der Gesellschaft gehört auch, die Maut zu erheben. Österreich bietet zeitlich gestaffelte Vignetten zu unterschiedlichen Preisen an. Geht ein Pickerl verloren, werden nur die Jahresvignetten erstattet.

In Österreich sollte die Vignette an einem Kraftfahrzeug gut sichtbar innen auf die Windschutzscheibe geklebt werden. "Wir empfehlen, sie links oben oder im Bereich des Rückspiegels aufzukleben", sagt Verkehrsrechtsexperte Engelmohr und fügt hinzu: "Kleben Sie die Vignette außerhalb des Tönungsstreifens auf, damit sie gut sichtbar ist." Der Anwalt empfiehlt, dass neben der jeweils gültigen Klebevignette höchstens eine zweite Klebevignette am Kraftfahrzeug angebracht sein sollte.

Jede Vignette ist mit einem Kleber versehen und sie muss auch damit befestigt werden. Wer zusätzliche Klebestreifen verwendet, die Mautmarke anders fixiert oder mit einer zusätzlichen Schutzfolie versieht, könne wegen Mautprellerei geahndet werden, sagt Engelmohr.

Bei Motorrädern sollte die Vignette auf einen sauberen und nicht auswechselbaren Teil des Motorrads wie beispielsweise dem Gabelholm oder Tank angebracht werden. "Eine am Koffer oder an einer Seitentasche angebrachte Vignette ist nicht gültig", zitiert Engelmohr aus den ASFiNAG-Hinweisen.

Wer eine bereits angebrachte Vignette ablöst und an ein anderes Fahrzeug klebt, riskiert ebenfalls, wegen Mautprellerei belangt zu werden – und das kann richtig teuer werden: In der österreichischen Mautordnung ist zu lesen, dass die Bezirksverwaltungsbehörde eine Geldstrafe zwischen 300 und 3.000 Euro verhängen kann.

In der Schweiz erhebt die Zollverwaltung die Maut. Dort gibt es nur Jahresvignetten. Ansonsten sind die Regeln ähnlich wie in Österreich. Auch in der Schweiz sollte die Vignette ohne Hilfsmittel auf der Innenseite der Frontscheibe und nicht im Tönungsstreifen aufgeklebt werden. An Anhängern und Motorrädern muss die Mautmarke an einem nicht auswechselbaren, leicht zugänglichen Teil des Fahrzeugs kleben.

Auch die Schweizer ersetzen eine Vignette kostenlos, wenn die Windschutzscheibe ausgetauscht werden muss. "Bei ausländischen Fahrzeugen geben die Zollämter gegen Vorlage der alten Vignette und der Austauschrechnung der Windschutzscheibe eine neue Vignette ab, selbst wenn die alte zerrissen ist", erläutert Engelmohr. Für Schweizer Bürgerinnen und Bürger organisiert ihre Versicherung den Ersatz der Vignette.