Denn eigentlich seien viele Forderungen des FUSS e. V. bereits geltendes Recht. Sie würden nur nicht umgesetzt, nicht kontrolliert, nicht sanktioniert: zugestellte Fußwege, fehlende Sondergenehmigungen für Tische, Radfahrer auf dem Gehweg. Ähnlich ist es bei Rasern, zu lauten Auspuffen oder gerissenen Stickstoffdioxidwerten. Auch sie ertragen Menschen im Berliner Verkehr – obwohl der Staat sie eigentlich davor schützen müsste.

Bei diesem Verwaltungsdefizit ist Stümpel skeptisch, ob das Mobilitätsgesetz Verbesserungen bringt. Es enthalte zwar viele gute Vorhaben, doch die meisten versandeten erfahrungsgemäß in der Planung. Um einen Zebrastreifen einzurichten, brauche es in Berlin beispielsweise 18 Verwaltungsschritte und drei Jahre Zeit, erzählt er. 

Der Senat müsste seine Prioritäten ändern, findet Stimpel. 15 Jahre lang habe man keine Leute eingestellt, nun falle es der Stadt auf die Füße – bei der Radverkehrsplanung wie beim Fußverkehr. "Die verdienen in Baufirmen das Dreifache und müssen sich nicht jeden zweiten Abend auf Bürgerversammlungen beschimpfen lassen."

Zurück in der Zitadelle Spandau stehen die Gruppen noch immer zusammen und diskutieren – obwohl der Radweg erst in fünf Jahren fertig sein wird. Wer in Berlins Verkehrswende Revolutionsstimmung oder schöpferische Zerstörung sucht, wird nicht fündig. Ausdauer ist gefragt.

Staatssekretär Ingmar Streese ist dennoch optimistisch, dass die Stadt bis 2030 ein Stück vorankommt. "Der Straßenverkehr wird ganz anders aussehen", sagt er. "Ich glaube, 60 Jahre autogerechte Stadt, das haben die Leute auch langsam über."