Das österreichische Bundesland Tirol will verhindern, dass Fahrzeuge von den mautpflichtigen Autobahnen abfahren – und hat entsprechende Straßensperren erlassen. Seit diesem Donnerstag gilt ein Fahrverbot auf Landstraßen, die von Urlaubern zur Umfahrung von Staus oder zur Vermeidung der Maut genutzt werden. Diese Entscheidung gab die Landesregierung in Tirol bekannt, wenige Tage nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) einer Klage Österreichs folgte und die geplante deutsche Pkw-Maut stoppte. Auch die Autobahnabfahrten im Großraum Innsbruck sollen gesperrt werden, sagte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Vor allem die vom Transitverkehr betroffenen Dörfer auf der Strecke zwischen Deutschland und Italien sollen so entlastet werden.

Die bayerische Landesregierung reagierte mit Empörung und Unverständnis auf die Ankündigung. "Das Tiroler Verhalten ist unsäglich und reine Schikane", sagte Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU). Außerdem sei das Verhalten des Nachbarlands rechtswidrig. "Ich erwarte, dass die EU-Kommission dieses Verhalten sehr schnell unterbindet und für freien Reiseverkehr in Europa sorgt." Reichhart stellte auch Gegenmaßnahmen in Aussicht: "Sollte die EU-Kommission dieses Verhalten durchgehen lassen, dann muss es auch für die stark belasteten bayerischen Autobahnen und Landstraßen in der Grenzregion gelten." Mit Tirol seien Gespräche vereinbart. Von deren Ausgang wolle man Bayerns Reaktion abhängig machen.

Die Maßnahme der Tiroler Regierung soll an allen Wochenenden von Samstag um 7 Uhr bis Sonntag um 19 Uhr gelten – und zwar bis Mitte September. Nicht betroffen sind Autofahrer, die direkt nach Innsbruck oder in die umliegenden Dörfer wollen, sagte Platter. Die Fahrverbote gelten für den gesamten Verkehr, egal ob Auto, Lkw oder Motorrad. Betroffen sind die Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntal Autobahn (A12) sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A13). Die Brennerstraße selbst ist von den Verboten nicht betroffen.

Inzwischen seien auch Vorkehrungen getroffen worden, dass die Navigationsgeräte die Umfahrungen nicht mehr anzeigen, hieß es weiter. Dazu seien laut dem Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, Markus Widmann, den Betreibern die aktuellen Verkehrsdaten in Zusammenhang mit dem Verbot zur Verfügung gestellt worden. Da aber nicht sicher sei, dass die Anbieter die neuen Daten auch einspeisten, sollten ab sofort an den gesperrten Ausweichrouten auch Polizeistreifen kontrollieren.