Bayerns Innenministerium hat sich gegen einen Plan von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gestellt, Autofahrern künftig ohne zusätzliche Prüfung das Führen von leichten Motorrädern zu erlauben. Fast jeder vierte Verkehrstote in Bayern sei ein motorisierter Zweiradfahrer, heißt es in einer Stellungnahme des von Joachim Herrmann (CSU) geführten Ministeriums, die der Bayerische Rundfunk zitiert: "Diesen Gefahren wird der Referentenentwurf aus unserer Sicht noch nicht ausreichend gerecht."

Der diskutierte Entwurf sieht vor, dass Autofahrer unter bestimmten Bedingungen künftig ohne Prüfung leichte Motorräder fahren dürfen. Vorgesehen sind lediglich eine 90-minütige Theorieeinheit und sechs praktische Fahrstunden, die auf einem Verkehrsübungsplatz statt auf Straßen absolviert werden könnten. Gelten soll dieses reduzierte Programm für Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimetern und einer Leistung von bis zu 15 PS – die aber bis zu 100 km/h pro Stunde erreichen können.

Kritiker des Entwurfs aus dem Hause Scheuer halten dies für "eine gefährliche Idee", da die PS-Zahl nur wenig über das Potenzial eines Zweirads aussage.

Vorgeschlagen wird die neue Regelung für Autofahrer ab 25 Jahren, die seit mindestens fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben. Ältere Autofahrer, die ihren Führerschein vor dem 1. April 1980 erhalten haben, dürfen schon jetzt diese Krafträder fahren. Für alle anderen berechtigt die Klasse B bislang nur zum Fahren von Rollern, Mofas oder Mopeds, die eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h erreichen.

"Umgang mit Motorrädern gründlich lernen"

Auch der ADAC lehnt laut dem BR-Bericht den Entwurf aus dem Verkehrsministerium ab: "Ein Kurzprogramm bei der Fahrausbildung von rund 100 km/h schnellen Zweirädern lehnen wir aus Sicherheitsgründen ab." Allerdings heißt es auf der Homepage des Verbandes: "Der ADAC begrüßt die Absicht des Verkehrsministeriums, bereits erfahrenen Inhabern eines Pkw-Führerscheins der Klasse B eine vereinfachte und kostengünstige Erweiterung auf leichte Motorräder der Führerscheinklasse A1 zu ermöglichen."

Vor allem das Fehlen einer Prüfung vor der Fahrerlaubnis stößt andernorts auf Unverständnis. Der TÜV-Sachverständige Richard Goebelt forderte dem BR zufolge: "Auch Autofahrer müssen den Umgang mit mittelschweren Motorrädern gründlich lernen, um sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können. Diese Kompetenz sollte auch in Zukunft von unabhängiger Stelle überprüft werden."

Individuelle Mobilität soll gestärkt werden

Kritik kam auch vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat: Man sehe "keine hinreichenden Gründe, den Zugang zur zweitgefährlichsten Fahrzeugklasse auf deutschen Straßen zu lockern", heißt es in einer Stellungnahme, die der Spiegel zitiert. Noch gefährlicher seien in der Systematik des Rates lediglich Motorräder einer höheren Hubraumklasse.

Das Verkehrsministerium begründet seinen Vorstoß indes mit hehren Motiven – und sogar mit dem Klimaschutz. Ziel sei es, mehr Mobilität zu ermöglichen und gleichzeitig die Verkehrssicherheit sicherzustellen, teilte das Ministerium mit. "Gerade im ländlichen Raum stärken wir so die individuelle Mobilität und machen den Verkehr durch den Einsatz alternativer Antriebe klimafreundlicher."