Der Volkswagen-Konzern stellt derzeit sein Werk in Zwickau komplett auf Elektroautos um. Noch in diesem Jahr werden dort die ersten Autos der ID-Serie produziert. VW hofft, dass die Serie zum Klassiker unter den E-Autos wird, so wie es der Käfer und der Golf für Verbrenner waren. Ab 2021 könnte in Zwickau alle 1,5 Minuten ein Elektroauto fertig werden. VW glaubt offenbar inzwischen fest an den Erfolg des Elektroantriebs. Aber wenn bald alle in Deutschland E-Autos fahren, hält das Stromnetz das überhaupt aus?

Das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach hat ein globales Szenario über den Anteil von Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 erstellt. Selbst im pessimistischsten Fall geht man davon aus, dass dann jedes dritte neu zugelassene Auto elektrisch fährt. Womöglich ist es aber auch schon jedes zweite. Wesentliche Einflussfaktoren auf die möglichen Käufe sind demnach im europäischen Markt Preis, Reichweite und vor allem, ob es genug Ladesäulen gibt.

Beim Autogipfel im Kanzleramt vergangene Woche haben Regierung und die Autoindustrie deshalb vereinbart, einen Masterplan für den Ausbau des öffentlichen Ladenetzes zu erstellen. Es soll ausreichen, um 2030 bis zu 10,5 Millionen Elektrofahrzeuge mit Strom zu versorgen. Dafür sollen 300.000 Ladestationen gebaut werden. Doch diese Maßnahme ist eigentlich vor allem Marketing für die Autoindustrie. Den Kundinnen und Kunden soll die Angst genommen werden, einmal keine Ladesäule zu finden. Technisch begründet ist diese Sorge jedoch nicht. Und auch das Stromnetz ist stabil genug.

Angst vor Überlastung der Stromnetze ist unbegründet

Das belegen Studien von Innogy, der Tochter des Energieversorgers RWE, die ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen produziert. Innogy erstellt oder beteiligt sich an deutschen und europäischen Szenarien, die der Frage nachgehen, ob der Verlauf von Energie- und Mobilitätswende zusammenpassen. "All die Studien kommen zu dem Schluss, dass das bestehende Stromnetz kein Verhinderer der Elektromobilität ist, sondern sie erst möglich macht", sagt Armin Gaul, Leiter der technischen Produktentwicklung bei Innogy. Die Angst vor überlasteten Stromnetzen sei unbegründet – und es gebe auf absehbare Zeit genug Ladestellen.

Auch die zusätzlich benötigte Strommenge für Elektroautos stellt für Innogy kein Problem dar. "Wenn alle Autos in Deutschland elektrisch fahren würden, bräuchten wir etwa 20 Prozent mehr Strom", sagt Gaul. Weil dieser Wandel nicht über Nacht kommt, sondern sich über mindestens ein Jahrzehnt zieht, sei das keine große Herausforderung für die Energiewirtschaft. "Vor allem nicht, wenn man bedenkt, wie und wo die Autos geladen werden", sagt Gaul, nämlich tagsüber am Arbeitsplatz oder nachts zu Hause. Und wer nicht die Möglichkeit hat, sich dafür eine Wallbox einzubauen, tankt Strom im Parkhaus oder vor dem Supermarkt.