Die Zahl der Reisenden im Fernverkehr der Deutschen Bahn ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erneut gestiegen. 71,8 Millionen Reisende fuhren mit den ICE- und IC-Zügen und damit 1,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern in einer Halbjahresbilanz mitteilte. Die Bahn rechnet damit, dass es bis zum Jahresende voraussichtlich erstmals mehr als 150 Millionen Fahrgäste sein werden.

Zum Vergleich: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 nutzten 70,9 Millionen Reisende die Fernverkehrszüge der Bahn. Im gesamten vergangenen Jahr kam ein Fahrgastrekord mit 148 Millionen Passagieren zusammen.

Trotz der hohen Fahrgastzahlen ist der Gewinn der Bahn in der ersten Jahreshälfte 2019 um mehr als ein Fünftel zurückgegangen. Mit 757 Millionen Euro lag der Überschuss um 22 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz stieg dagegen leicht auf rund 22 Milliarden Euro. Auch diese Kennzahl blieb aber unter den eigenen Planungen, wie der Nachrichtenagentur Reuters vorliegende Konzerndokumente zeigen. Probleme bereite vor allem die seit Jahren kriselnde Güterbahn aber auch der Personennahverkehr. Die Entwicklung der Geschäftsfelder sei "überwiegend angespannt", heißt es im Geschäftsbericht.

Zudem schaden zahlreiche Verspätungen derzeit dem Ruf der Bahn. Im Juni hatten Unwetter und Hitze dafür gesorgt, dass nur knapp 70 Prozent der Fernzüge pünktlich am Ziel ankamen. Das war der schwächste Juni-Wert seit sechs Jahren. Im gesamten ersten Halbjahr konnte der Konzern die Pünktlichkeitsquote im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht verbessern. Sie lag weiter bei 77,2 Prozent. Ein Zug gilt in der Statistik als pünktlich, wenn er bis zu sechs Minuten nach Fahrplanzeit eintrifft.

Die sogenannte Monopolkommission, welche die Bundesregierung berät und alle zwei Jahre einen Bericht über den Zustand der Bahn veröffentlicht, mahnt schnelle Investitionen an. Die Qualitätsprobleme der Deutschen Bahn ließen das politische Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, immer unwahrscheinlicher werden, fasst die Frankfurter Allgemeine Zeitung vorab den neuen Bericht zusammen. "Um den Schienenverkehr zu stärken, sind nicht nur Investitionen in die Infrastruktur notwendig, sondern auch Änderungen am institutionellen Rahmen", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, der Ökonom Achim Wambach, dem Blatt.

Die Kommission schlägt demnach unter anderem eine Versicherung vor, die die allgemeinen Fahrgastrechte ergänzen könnte. Die Bahn müsste dann bei Verspätungen mehr zahlen als bisher, was einen Anreiz zu mehr Pünktlichkeit böte.

Die Bahn will mit ihrem Konzept Starke Schiene die Zahl der Fahrgäste im Fernverkehr bis 2030 nahezu verdoppeln, in Regionalzügen soll sie um die Hälfte zulegen. Die Zahl der Fernverkehrszüge soll in dem Zeitraum von rund 460 auf bis zu 600 wachsen.