ZEIT ONLINE: Vor Kurzem wurden die ersten Unfallzahlen gemeldet: In Berlin gab es sieben Tretroller-Unfälle, in München sechs, in Frankfurt und Hamburg lag die Zahl ebenfalls im einstelligen Bereich, in Stuttgart gab es keine. Ist das wirklich Anlass zur Sorge?

Kellner: Die Polizei hat uns mitgeteilt, dass es mehrere Hundert Ordnungswidrigkeiten gab, vor allem wegen Trunkenheit oder weil auf dem Gehweg oder zu zweit gefahren wurde. Diese Zahlen muss man beobachten und das Ganze wissenschaftlich begleiten. Deswegen fordern wir auch eine eigene Kategorie in der Statistik für die Scooter. Für eine erste Zwischenbilanz ist es noch zu früh.

ZEIT ONLINE: Abgesehen vom Nüchternbleiben: Was raten sie zur Nutzung der E-Scooter?

Kellner: Wir finden es sinnvoll, wenn man einen Helm trägt und das Fahrzeug zunächst im Schonraum ausprobiert. Also nicht direkt im Straßenverkehr. Wir hätten uns außerdem gewünscht, dass die Roller stabiler gebaut würden, also etwa nur Fahrzeuge mit größeren Rädern zugelassen wären.

ZEIT ONLINE: Wie sehen Sie das Agieren der Bundesregierung bei der Zulassung? In Ländern wie Frankreich, den USA oder Israel wurden die Scooter ja schon viel früher eingeführt.

Kellner: Ich bin froh gewesen, dass man erst mal abgewartet hat. Oft heißt es dann ja: "Typisch spießiges Deutschland." Aber ich finde es sehr gut, wenn man erst mal in Ruhe schaut, wie sich das woanders entwickelt, um daraus zu lernen.

ZEIT ONLINE: Sehen sie auch etwas Positives an der neuen Mobilitätsform?

Kellner: Auf jeden Fall ist es etwas Gutes, wenn die Menschen innerorts öfter ihr Auto stehen lassen und Rad- oder eben auch E-Scooter fahren. Das kann den Verkehr entlasten und ist gut fürs Klima. Zu Fuß zu gehen ist übrigens auch nicht schlecht. Und dann macht das Fahren damit auch einfach Spaß – so ging es mir jedenfalls. Aber auf Hauptverkehrsstraßen finde ich es persönlich nicht zu verantworten.

ZEIT ONLINE: Wie sieht denn die Zukunft der Verkehrssicherheit aus? Beschäftigen Sie sich schon mit Flugtaxis und autonomem Fahren?

Kellner: Flugtaxis sind im Moment nicht so unser Thema, die sind ja erst mal nicht im Straßenverkehr zu finden und werden vermutlich auch zahlenmäßig in den nächsten Jahren keine große Rolle spielen. Über das autonome Fahren machen wir uns dagegen viele Gedanken, denn das bringt neue Herausforderungen. Knifflig wird es vor allem, wenn in weiterer Zukunft einige Autos schon autonom unterwegs sind, andere aber noch von Menschen gesteuert werden. Wir gehen aber davon aus, dass das autonome Fahren zu mehr Sicherheit führen kann.