Etwa einen Monat nach der Zulassung von E-Tretrollern haben Verkehrsverbände eine erste Zwischenbilanz gezogen. Zugleich fordern der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC eine bessere Aufklärung über Sicherheitsrisiken.

Aus Berlin und anderen Städten seien seit der Zulassung zum Teil schwere Unfälle gemeldet worden, sagte Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrats. "Das zeigt, wie gefährlich das Fahren mit E-Scootern ist und wie sehr es von einigen unterschätzt wird." Bei der Aufklärung seien auch die Hersteller und Sharinganbieter gefordert, die per App oder über den E-Scooter direkt Sicherheitshinweise geben könnten. "Alle müssen wissen, wie man mit den Fahrzeugen fährt und wann welche Unfallrisiken bestehen."

Immer häufiger seien unachtsam abgestellte E-Scooter Stolperfallen auf den Bürgersteigen, kritisierte Kellner. Das und auch, dass die Fahrzeuge zu zweit benutzt werden, müsse verhindert werden.

Diskussion über Helmpflicht

"Sollte sich die Unfallsituation weiter verschlechtern und sollten mehr Menschen mit Kopfverletzungen und Brüchen in Krankenhäuser eingeliefert werden, müssen wir über eine Helmpflicht nachdenken", sagte Kellner. "Dann müsste die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern die Verordnung entsprechend anpassen."

Laut Polizei gab es in den vergangenen Wochen mehrere Unfälle mit E-Tretrollern auf Straßen und Gehwegen. In Berlin wurden bislang mindestens sieben Unfälle und mindestens acht Schwerverletzte mit Knochenbrüchen und Kopfverletzungen registriert. Frankfurt und Hamburg meldeten ebenfalls eine einstellige Zahl an Unfällen, München zählte bislang mindestens sechs. In Stuttgart waren der Behörde zunächst keine Unfälle bekannt. Zahlreiche E-Scooter-Fahrer mussten bereits Verwarnungsgelder zahlen. Oft, weil sie auf den Rollern betrunken, zu zweit oder auf dem Gehweg unterwegs waren.

Zum Ziel der großen Koalition, die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Verkehr zu senken, gehörten neben umfassenden Aufklärungsmaßnahmen auch infrastrukturelle Maßnahmen, so Kellner. Wege müssten sicherer gemacht und ausreichend Platz für die ungeschützten Verkehrsteilnehmer geschaffen werden. So, dass man auch mit E-Scootern sicher ankommen könne.

"Es gelten die gleichen strikten Regeln wie beim Autofahren"

Eine Sprecherin des ADAC verwies ebenfalls auf zunehmende Probleme mit den E-Scootern. Der Automobilclub appelliere an die Nutzer, sich verantwortungsvoll, defensiv und vorausschauend zu verhalten. Fahrer auf dem E-Scooter seien "schutzlos". Im Falle von Stürzen und Unfällen könne es zu schweren Verletzungen kommen. Wichtig sei es, sich vorab über die mögliche Route Gedanken zu machen und Strecken ohne Radweg möglichst zu vermeiden.

"E-Scooter sind Kraftfahrzeuge, es gelten die gleichen strikten Regeln wie beim Autofahren.", so die Sprecherin. Dies gelte vor allem in Bezug auf Alkoholfahrten und sei angesichts von Geschwindigkeit und Gefährdung auch richtig.

Als positiv bewertet es der ADAC, dass einzelne Verleiher ihre Apps nutzen, um zusätzliche Sicherheitshinweise zu geben. "Das Engagement könnte allerdings noch deutlich größer sein", sagte die Sprecherin. Denkbar sei es etwa, dass Verleiher und Hersteller Trainings anbieten: "Es liegt im Interesse der Hersteller und Verleiher, dass es in unseren Städten nicht zu einem Scooter-Chaos kommt."

Die E-Tretroller dürfen zwischen sechs und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren und müssen eine Lenk- oder Haltestange haben. Vorgeschrieben sind auch zwei Bremsen, Licht und eine "helltönende Glocke". Erlaubt sind sie ab 14 Jahren, eine Helmpflicht gibt es nicht. Fahren müssen E-Scooter auf Radwegen – gibt es keine, muss auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Mit Vernunft genutzt könnten die E-Tretroller eine gute Ergänzung gerade in den Städten sein, so der ADAC.