In ihrer Werbung versprechen sie viel, die Verleiher von E-Scootern. "Besser leben und besser sein" könne man auf den zwei Rädern seiner Marke, behauptet der Anbieter Circ auf Englisch. Konkurrent Voi wirbt damit, dass die Benutzerinnen und Benutzer seiner Roller gemeinsam tonnenweise CO2 einsparen könnten. Die Städte von Autos befreien, fügt Tier hinzu – und dennoch "sicher und umweltfreundlich" ans Ziel kommen, wie der Anbieter Lime frohlockt.

Die Verleiher, die im Juni die E-Scooter nach Deutschland brachten, sind mit dem kühnen Ziel angetreten, die Städte leiser, sauberer und umweltfreundlicher zu machen. Doch wie nachhaltig die Tretroller wirklich sind, ist umstritten. Die Münchner Bild-Zeitung titelte unlängst, hinter den E-Scootern stecke eine "Öko-Lüge", weil die Gefährte abends von zumindest teilweise mit Benzin oder Diesel betriebenen Transportern eingesammelt werden, um sie mit Strom aufzuladen. Die Berichterstattung verunsicherte in der Stadt viele Menschen.

Auch wenn umfängliche Studien zur CO2-Bilanz nach wenigen Wochen noch fehlen: Es gibt bereits Anhaltspunkte dafür, wie sehr die Scooter über ihre Lebensdauer hinweg die Umwelt belasten. Viel wird davon abhängen, wie lange die Roller überleben – und wie die Menschen mit ihnen umgehen. 

Nicht alle nutzen Ökostrom

Mit welcher Art Strom ein E-Scooter fährt, ist hingegen nicht ganz so entscheidend. "So ein Roller verbraucht relativ wenig Energie, weil er klein und leicht ist", sagt Alexander Jung, Mobilitätsexperte bei der Agora Verkehrswende, einem Thinktank der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation. Mit einer Kilowattstunde Strom kommt ein durchschnittliches Elektroauto sechs Kilometer weit, ein E-Tretroller knapp über 100 Kilometer, hat Jung ausgerechnet.

Für die Ökobilanz ist es prinzipiell dennoch interessant, mit welchem Strommix die Scooter aufgeladen werden – und das handhabt jeder Anbieter anders. Circ geht auf die Frage gar nicht ein. Lime gibt an, seine E-Scooter mit Strom zu laden, "der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt". Tier redet gerade "mit verschiedenen Anbietern, um zu einem möglichst hohen Anteil an Ökostrom zu kommen, und im Idealfall ausschließlich Ökostrom zu benutzen".

CO2-Ausstoß der Batterieherstellung

Am Anfang eines E-Scooter-Lebens steht die Produktion. Von E-Autos weiß man, dass vor allem bei der Batterieherstellung viele Ressourcen eingesetzt werden und dabei viel CO2 verursacht wird. Bei E-Scootern ist es ähnlich. "Auch bei ihnen wird der ökologische Rucksack in erster Linie durch die Batterie befüllt", sagt Jung.

Da die Fahrzeuge erst seit wenigen Wochen durch Deutschland flitzen, gibt es beim Bundesumweltamt aber bislang keine Zahlen zur CO2-Bilanz der E-Scooter, auch nicht zu den Klimawirkungen der Batterieproduktion. Zu E-Rädern, sogenannten Pedelecs, hat die Behörde allerdings Zahlen erhoben – und verweist darauf, dass die Werte für die beiden Zweiräder durchaus vergleichbar sind. In beiden ist normalerweise ein ähnlich großer Lithium-Ionen-Akku verbaut. Ein gängiger Pedelecakku hat eine Kapazität von rund 0,4 Kilowattstunden, und Herstellung und Entsorgung verursachen demnach Treibhausgasemissionen, die 22 bis 30 Kilogramm CO2 entsprechen. "Blickt man allein auf die Herstellung einer solchen Lithium-Ionen-Batterie, kommt man auf eine ähnliche CO2-Bilanz wie bei einer Bahnfahrt von Berlin nach Köln", sagt Jung.

Das klingt überschaubar. Doch wie gut die CO2-Bilanz eines Scooters tatsächlich ausfällt, hängt daneben maßgeblich davon ab, über welchen Zeitraum er genutzt wird. Ein E-Auto muss, wenn es mit dem typischen deutschen Strommix fährt, über seine Lebensdauer hinweg rund 50.000 Kilometer zurücklegen, um insgesamt weniger Emissionen als ein Benziner zu verursachen. Geht man davon aus, dass ein Auto pro Jahr rund 14.000 Kilometer zurücklegt, ist das nach 3,6 Jahren der Fall.

Die E-Scooter müssen nicht so lange durchhalten. Genaue Zahlen dazu gibt es zwar noch nicht, aber Mobilitätsexperte Jung schätzt, dass die Emissionen aus der Batterieproduktion für einen E-Scooter ausgeglichen sind, sobald man etwa 200 bis 273 Kilometer Strecke mit dem Roller statt mit einem kompakten Mittelklassewagen fährt.