Die Zufahrtsstraßen zu einem Kreisverkehr werden häufig kurz vor dem Kreis von Fußgängerübergängen gekreuzt. In kleinen oder mittelgroßen Kreiseln kommt es besonders im Feierabendverkehr zu Staus, weil die Autofahrer, die den Kreis verlassen wollen, den kreuzenden Fußgängern Vortritt lassen. Die im Kreis nachfolgenden Fahrer können die Situation nicht rechtzeitig erkennen und müssen abrupt bremsen. Dabei wird der sonst so zügige Verkehrsfluss im Kreisverkehr einschließlich aller anderen Zufahrten blockiert und Auffahrunfälle sind programmiert. Viele Fußgänger nehmen sich, ohne lange zu überlegen, den Vortritt am Übergang vor den Autos. Wer hat an einem solchen Zebrastreifen Vorfahrt oder Vortritt?, will ZEIT-ONLINE-Leser Klaus Meyer aus Passau wissen.

Eine Stadtplanung, die das Auto in den Mittelpunkt stellt, hat seit den Sechzigerjahren in vielen Städten Schneisen geschlagen. Ganze Viertel verschwanden, durch Siedlungen führen nun mehrspurige Straßen und selbst vor einer der größten Parkanlagen Europas, dem Englischen Garten in München, machte der Straßenbau nicht halt. Der vierspurige Isarring zerschneidet die Grünanlage.

Dieses scheinbar natürliche Vorrecht des Autos sitzt bis heute in den Köpfen vieler Verkehrsteilnehmer, bestimmt die Diskussion und erschwert eine moderne Verkehrsplanung, die sich an die Bedürfnisse aller anpasst. Denn Fußgängerinnen und Radfahrer haben Rechte – selbst, wenn es den Verkehrsfluss ins Stocken bringt.

"Auch Fußgänger müssen die Möglichkeit haben, die jeweils kreuzenden Straßen zu erreichen. Darum befinden sich an Kreuzungen auch regelmäßig Fußgänger- und Radwegefurten", sagt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Dresden. Gerade wer an einer Kreuzung rechts abbiegt, muss besonders auf kreuzende Fußgänger achten, die an einem Übergang mit Ampel oft gleichzeitig ein grünes Lichtzeichen haben. An diesen Stellen kann es deshalb häufig zu Rückstauungen kommen. "Der Verkehrsplaner muss an Kreuzungen wie auch an Kreisverkehren sowohl den motorisierten als auch den nicht motorisierten Verkehr einplanen", sagt Janeczek. Da komme es in verkehrsreichen Zeiten natürlich auch zu Staus und Konflikten.

Keine Zweifel gibt es für den Fachanwalt für Verkehrsrecht bei den Vorfahrtsregelungen. "Kreuzt die Straße ein Zebrastreifen, dann hat grundsätzlich der Fußgänger Vorrang. Der Kraftfahrzeugverkehr darf nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren und muss anhalten, wenn Fußgänger den Weg queren", erläutert Janeczek. Sei jedoch lediglich eine Fußgängerfurt ohne Zebrastreifen gegeben, liege die Wartepflicht beim Fußgänger.