Zukunftsweisend ist auch die Gestaltung des Gebäudes. Die Architekten haben verschiedene Materialien wie Beton, Holz und Glas kombiniert. Wo es möglich ist, fällt Tageslicht ein. So kommt das Gebäude mit wenig künstlicher Beleuchtung aus. Durch komplett offene oder verglaste Bereiche und geschickte Sichtachsen haben die Radfahrer untereinander Sichtkontakt. Mancherorts verbreitert sich die Fahrspur und lotst die Fahrer um riesige Trompetensäulen herum. Das Parkhaus wirkt teilweise wie eine Kathedrale, dann wieder wie ein Lichthof und an anderer Stelle wie eine Bücherei. Nach einem dreiminütigen Fußweg erreichen die Radfahrer auch den entferntesten Bahnsteig. Diese Zweckmäßigkeit und der integrierte Service im Haus mit Fahrradverleih, Werkstatt und kleinen Servicestationen sind Teil des Gesamtkonzepts. Hier werden Radfahrer umsorgt und behandelt wie Könige und Königinnen. Das funktioniert. Das Parkhaus ist ständig fast voll belegt.

Mancherorts verbreitert sich die Fahrspur und lotst die Fahrer um riesige Trompetensäulen herum. © Petra Appelhof

Zurzeit werden in Utrecht nach offiziellen Angaben rund 40 Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt. Die Stadt will diesen Anteil noch steigern. Denn Utrecht ist die viertgrößte und am schnellsten wachsende Stadt der Niederlande.

BYCS wollen mit ihrer Biennale mehr Menschen in den Ballungsgebieten zum Radfahren ermutigen. Wenn es nach dem Sozialunternehmern geht, sollen bis 2030 die Hälfte aller Wege in den Zentren auf der ganzen Welt per Fahrrad zurückgelegt werden. "Dieses Ziel zwingt uns, über radikalere und inspirierendere Lösungen für Radfahrer nachzudenken", sagt Maud de Vries, Mitgründerin von BYCS.

In Kopenhagen liegt der Anteil an Radfahrern am Gesamtverkehr immerhin bei rund 30 Prozent, im niederländischen Groningen sogar bei 60 Prozent. In den dortigen Gesellschaften genießt der Radverkehr seit Jahrzehnten ein gleichermaßen hohes Ansehen in Politik und Planung wie der Bus-, Bahn- und Autoverkehr. Die Folge ist eine Radinfrastruktur, die funktional ist, aber immer öfter auch modern und architektonisch interessant.

In der Nähe des belgischen Limburg kann man in zehn Metern Höhe durch die Baumwipfel radeln. © Buro Landschap

2014 haben die Dänen beispielsweise die Cykelslangen eröffnet: die Fahrradschlange. Die Brücke schlängelt sich durch den Kopenhagener Hafen und verbindet zwei Stadtteile miteinander. Nachts wird sie erleuchtet. Damit haben die Architekten ein bis dahin bestehendes Nadelöhr für Radfahrer und Fußgänger entfernt und ein neues Wahrzeichen für die Stadt geschaffen. Heute ist die Cykelslangen ein Touristenmagnet und Marketingelement.

Die "Fahrradschlange" in Kopenhagen © Rasmus Hjortshoj/​Dissing+Weitling

Damit macht sich die Fahrradbewegung etwas zu eigen, was die Auto- und Motorradindustrie seit Jahren erfolgreich für sich nutzt. Das Gefühl der Freiheit, das Roadmovies wie Easy Rider vermitteln, wenn die Helden auf dem schnurgeraden Highway 168 dahinrasen, mit Blick auf die Felsen des Monument Valley. Das verführt zum Nachahmen. Dass sich Radfahren ähnlich spektakulär in Szene setzen lässt, haben zum Beispiel die Entscheider im belgischen Limburg erkannt. Dort radeln die Menschen inzwischen auf Wegen in zehn Metern Höhe inmitten der Baumwipfel oder auf Augenhöhe der Wasseroberfläche mitten durch einen See. Dieses Projekt, das auch die Biennale ausgezeichnet hat, wurde im vergangenen Jahr vom Time Magazine als einer der 100 "World's Greatest Places 2018" ausgewählt. Eine bessere Werbung gibt es kaum.

Radinfrastruktur groß und spektakulär denken, zukunftsweisend und kreativ – darauf zielen die Projekte der Fahrrad-Biennale. Denn ein schmaler Radstreifen macht noch keine Fahrradstadt. In Utrecht oder Kopenhagen ist die Wertschätzung für Radfahrer überall spürbar. Das Entscheidende ist allerdings, dass beide Städte ständig ihre Standards weiterentwickeln und an die Bedürfnisse der Radfahrer anpassen. Fahrradparkhäuser gab es bereits zuvor jede Menge in Utrecht, auch in Bahnhofsnähe. Aber keines, das Radfahrern den roten Teppich ausrollt.