Im April hat Andreas Kiehlmeier sein E-Lastenrad bekommen. Seitdem erledigt der Sanitätstechniker in Augsburg damit fast alle seine Arbeitsfahrten. Und es klappt gut, denn die meisten seiner Kundinnen und Kunden sind gerade mal einen bis drei Kilometer von seinem Büro und Lager im Augsburger Industriepark entfernt. Aber selbst für weitere Strecken in die Innenstadt nutzt Kiehlmeier fast nur noch das Rad.  

Er ist damit einer der Pioniere der Branche. Vor allem kleinere Unternehmen testen momentan Cargobikes als klimafreundliche und platzsparende Firmenfahrzeuge. Betreiberinnen und Betreiber großer Fahrzeugflotten zögern oft noch, sich Fahrräder anzuschaffen. Das Problem beim Fahrzeugtausch: Das eine Cargobike als universellen Auto- oder Sprinter-Ersatz gibt es nicht. Lastenräder müssen genau zum jeweiligen Einsatzzweck und den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe passen.

Aber inzwischen gibt es immer mehr Hersteller von Lastenrädern, sie erleben ein echtes Revival. Bis zum zweiten Weltkrieg gehörten Transporträder wie der Long John aus Kopenhagen mit seiner großen Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad zum Stadtbild europäischer und amerikanischer Städte. Händler brachten damit den Kunden ihre Einkäufe nach Hause und Handwerker transportierten ihr Werkzeug. Das änderte sich mit dem autogerechten Umbau der Stadtzentren. Doch seit es Lastenräder mit E-Antrieb gibt, werden sie wieder beliebter. Mit Unterstützung lassen sich 100 Kilo Zuglast komfortabel durch die Stadt kutschieren. Und stellten vor fünf Jahren noch rund zwei Dutzend Firmen in Europa Lastenräder her, sind es heute etwa doppelt so viele.

Kleine Manufakturen, etablierte Unternehmen und Start-ups namens Ono oder Citkar bringen jedes Jahr neue Modelle auf den Markt. Mit großen Ladeflächen vor dem Lenker, menschenhohen Boxen im Heck oder teilweise sogar einer Fahrerkabine als Wetterschutz.

Bevor Handwerkerinnen oder Flottenmanager aber tatsächlich ein Lastenrad kaufen, müssten viele Parameter passen, sagt Sascha Auer. Er ist Salesmanager beim Fahrzeugeinrichter Sortimo. Das bayerische Unternehmen entwickelt und baut seit fast 50 Jahren Inneneinrichtungen von Arbeitsfahrzeugen. Seit 2016 hat Sortimo auch ein Lastenrad im Angebot. 

Sympathiebonus fürs Lastenrad

In den Gesprächen mit seinen Kundinnen und Kunden stellt Auer immer wieder fest: Für viele bedeutet ein Fahrrad Mehraufwand. Da in den Transportboxen nicht so viel Platz ist wie im Sprinter, müssten Handwerker ihre Werkzeuge genau auf die Tour für den kommenden Tag abstimmen, sagt er. Das koste Zeit und erfordere eine gute Planung.

Sanitärtechniker Kiehlmeier schreckt das nicht ab. Bislang musste er erst einmal umkehren, um das Lastenrad gegen seinen Transporter zu tauschen. Ein großer Bausauger hatte nicht in seine Cargobike-Box gepasst. "Man braucht ein wenig Mut zur Lücke."

Dafür kommt das Lastenrad bei seinen Kunden gut an. Denen gefalle es, dass er nachhaltig das Klima schone und wenig Platz in der Stadt brauche, sagt Kiehlmeier. Manche hätten ihn extra wegen seines Rads beauftragt. Weil sie das unterstützen wollten. Ohnehin sei das Rad wirtschaftlicher: "Ich bin deutlich schneller."