Wer heute in Peking oder Shanghai ein neues Benzinauto anmelden will, bekommt wahrscheinlich kein Nummernschild dafür. Chinas Regierung will in den Großstädten keine Benziner mehr fahren sehen. Die Ansage der Zentralregierung lautet jetzt: Elektroautos. Einem Unternehmen hat diese Politik besonders geholfen. Es kommt aus China, heißt BYD und ist international kaum bekannt. Dabei streitet BYD gerade mit Tesla weltweit um den ersten Platz unter den größten Herstellern von Elektroautos.

Es ist erst gut zehn Jahre her, als BYD sein erstes Hybridauto auf den Markt gebracht hat. Besonders innovativ sah das Modell mit der kryptischen Bezeichnung F3DM nicht aus. Eher wie der Klon eines Toyota Corolla aus den frühen Neunzigerjahren. Doch immerhin: Es handelte sich um das erste in Serie gefertigte Auto der Welt, das auch an einer normalen Steckdose aufgeladen werden konnte. Bis die Batterie geladen war, dauerte es rund neun Stunden. Im Elektromodus schaffte das Fahrzeug rund 100 Kilometer.

Auf dem Markt konnte sich das Modell, das für umgerechnet rund 15.000 Euro angeboten wurde, nicht durchsetzen. Rund 17.000 Exemplare verkaufte BYD. Die Produktion des erfolglosen Modells wurde im Frühjahr 2013 eingestellt.

Das hielt US-Star-Investor Waren Buffet aber nicht davon ab, 2008 bei dem chinesischen Unternehmen einzusteigen. Mit einem Kapitalanteil von zehn Prozent, was damals einem Gesamtwert von rund 230 Millionen US-Dollar entsprach, beteiligte Buffet sich an BYD. Einmal mehr hat er einen guten Riecher bewiesen. Heute ist sein Aktienpaket mehr als eine Milliarde wert.

Mit Warren Buffet und Daimler

BYD ist die Abkürzung für "Build Your Dream" und Chinas derzeit erfolgreichster Autobauer. Trotz allgemeiner Absatzkrise in der Autobranche hat der chinesische E-Auto-Bauer seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach eigenen Angaben auf rund 1,6 Milliarden Yuan mehr als verdreifachen können, das sind umgerechnet rund 200 Millionen Euro.

Dabei waren Autos lange Zeit gar nicht das Hauptgeschäft von BYD. 1995 hatte der studierte Chemiker Wang Chuanfu das Unternehmen in der Industriestadt Shenzhen an der Grenze zu Hongkong mit gerade einmal 20 Mitarbeitern gegründet und wiederaufladbare Batterien hergestellt. Das Geschäft war sehr einträglich. Bereits 2000 war BYD wegen der sehr viel niedrigeren Arbeitskosten als etwa bei der Konkurrenz in Japan, Taiwan und Südkorea weltweiter Marktführer.

2003 übernahm BYD die damals maroden Werke von Xi'an Automobile und stieg damit ins Autogeschäft ein. BYD setzte zunächst auf die Entwicklung eigener Fahrzeuge und nicht wie die meisten anderen chinesischen Hersteller auf Joint Ventures mit ausländischen Partnern. 2008 war Gründer Wang klar: Bei Autos mit Verbrennungsmotoren würden die Chinesen die Konkurrenz aus dem Westen nicht mehr einholen. Batterien und Elektroautos – das aber könnte passen. Wenig später hatte BYD Warren Buffet an Bord. Seit 2010 kooperiert BYD auch mit Daimler. Gemeinsam bringen sie seitdem E-Autos der Marke Denza auf den Markt.

Nach einer ersten Begeisterung ging es für BYD zunächst bergab. Die von BYD versprochenen rein elektrobetriebenen Autos ließen auf sich warten. 2011 stürzte die Aktie ab. Als dann die ersten E-Autos herauskamen, war das Interesse weltweit zwar groß. Der Absatz hielt sich dennoch in Grenzen – auch in China, das sich inzwischen zum größten Automarkt der Welt entwickelt hatte.