Bislang ist die Prüfung als Stichprobe angelegt. Sollten aber größere Mängel festgestellt werden, muss der TÜV auf eine 100-Prozent-Prüfung umschalten, was wiederum den weiteren Ablauf gefährden könnte – und damit den geplanten Eröffnungstermin. Die ersten Tage scheinen gut zu laufen, BER-Chef Daldrup zeigte sich Anfang der Woche zufrieden. Sprecher Hönemann will keinen Zwischenstand nennen: "Nach zehn Prüftagen haben wir noch keine Beschwerden gehört. Das bedeutet nicht zwingend, dass alles im Detail geklappt hat." Wenn der TÜV etwas kritisch sehe, könne man aber nachbessern.

Bisher plant der TÜV mit 40 oder 41 Tagen für die Wirk-Prinzip-Prüfungen. Ein weiterer Monat ist für die nötige Dokumentation angepeilt, die mit dem TÜV-Zertifikat bei den Baubehörden abgegeben werden muss. Erst dann kann die Fertigstellungsanzeige bei der Baubehörde eingereicht werden. All das sollte bis Oktober 2019 durchgeführt werden – ob das alles so funktioniert? Hönemann warnt davor, den Fortschritt an einzelnen Stichtagen festzumachen. "Es ist nicht so, dass jetzt zwei Monate geprüft und einen Monat geschrieben wird und wir dann Hunderte von Aktenordnern auf den Hof des Bauamtes schieben." Das passiere alles schrittweise und teils auch parallel.

20.000 Komparsen sollen den Flughafen testen

Aber auch wenn alles glattlaufen sollte, ist der BER längst noch nicht fertig – sondern nur das Gebäude. Hönemann geht davon aus, dass es Ende 2019 so weit sein wird: "Fertig im Sinne von: das Bauamt sagt, okay, da kann ein Flughafen stattfinden." Auch Aufsichtsratschef Bretschneider sieht noch Arbeit: "Es gibt nach den Sicherheitsprüfungen, die TÜV und Bauordnungsamt machen, eine Fülle von praktischen Sachen, die auch funktionieren müssen", erklärte der dem rbb. "Die Leitungen für die Gepäckanlagen müssen funktionieren, die Zuweisungen für die Wege auf dem Flughafen müssen funktionieren."

Für diese Dinge gibt es das Programm ORAT (Operational Readiness and Airport Transfer). Schon jetzt kümmern sich dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darum, wie aus einem fertigen Gebäude ein funktionierender Flughafen werden kann. Ende des Jahres wollen die Verantwortlichen damit beginnen, rund 20.000 Menschen als Komparsen zu werben. Von April 2020 sollen dann die Ablaufprozesse getestet werden, zunächst mit eigenen Mitarbeitern, später dann mit den Komparsen. Sie sollen dabei helfen, den Betrieb an einem normalen Reisetag zu simulieren: von der Ankunft, über die Gepäckabfertigung bis zum Boarding.

Auf den einen kritischen Moment, der den Eröffnungstermin Oktober 2020 gefährden kann, will sich Sprecher Hönemann nicht festlegen. "Da gibt es einige. Wenn der Bau Ende des Jahres tatsächlich abgeschlossen ist, dann beginnt die Phase, an der andere Flughäfen auch schon mal fast gescheitert sind." Eigentlich seien es zwei Projekte: Das erste, ein Gebäude fertigzustellen, das zweite, die Prozesse erfolgreich zu organisieren. Am Termin Oktober 2020 hält Hönemann fest, räumt aber ein: "Ich verstehe, dass ganz viele Leute sagen: Das glaub ich erst, wenn ich meinen Koffer vom Gepäckband gezogen habe."