Die Klimadebatte hat nicht dazu geführt, dass Dax-Unternehmen ihren Umgang mit Dienstreisen und Firmenwagen wesentlich ändern. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von ZEIT ONLINE, an der 22 Unternehmen aus dem Leitindex teilnahmen. Über die Zahl ihrer gebuchten Flugreisen wollten nur vier Konzerne Auskunft geben. Nur sechs Unternehmen gaben an, die Flugreisen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vollständig über CO2-Kompensation auszugleichen. Und auch bei der Umstellung der Dienstwagenflotten auf alternative Antriebe sind die Konzerne bislang sehr zögerlich.

Zwei heiße, trockene Sommer in Folge und die Fridays-For-Future-Bewegung haben Klimaschutz zu einem der meistdiskutierten Themen gemacht. Viele Menschen denken darüber nach, wie sie ihr Reiseverhalten so verändern können, dass ihr persönlicher CO2-Fußabdruck verringert wird. Sogar von Flugscham ist in manchen Kreisen die Rede. Konzernlenker hat die Debatte aber noch nicht zu größeren Änderungen veranlasst, zeigt die ZEIT-ONLINE-Umfrage.

Nur sechs Unternehmen leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie die Emissionen kompensieren, die Flüge ihrer Mitarbeiter verursachen. Dafür kaufen sie Zertifikate, die versprechen, dass das CO2 an anderer Stelle eingespart wird. Einige fingen damit schon lange, bevor Greta Thunberg bekannt wurde, an. Die Allianz etwa zahlt bereits seit 2012 für die Kompensation, SAP seit 2015. Covestro gleicht den CO2-Ausstoß von Dienstreisen und Firmenwagen nach eigenen Angaben seit 2015 durch Einsparungen in der Produktion aus. Die Lufthansa kompensiert Dienstreisen ihrer Angestellten erst seit 2019 – womöglich motiviert durch die aktuelle Diskussion. E.ON indes leistet nur für die Flüge mit der Lufthansa-Gruppe entsprechende Zahlungen.

Besser vermeiden als kompensieren?

Konkret in Planung ist die zukünftige Kompensation von Flugreisen bei der Deutschen Börse und bei Daimler. Der Autohersteller teilte dazu außerdem mit: "Es steht außer Frage, dass der Weg in Richtung CO2-freies Unternehmen und langfristiger wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen." Die Deutsche Bank bezeichnet ihren Geschäftsbetrieb inklusive Flugreisen seit 2012 als "klimaneutral", Munich RE seit 2015. Das bedeutet, dass die Unternehmen CO2-Emissionen, die sie nicht verhindern können, durch Kompensation ausgleichen.

Einige Unternehmen erklärten, statt in Kompensation lieber in die Vermeidung von Emissionen investieren zu wollen. "Eine Kompensation von Emissionen macht aus unserer Sicht langfristig nur dann Sinn, wenn Vermeidungsstrategien ausgeschöpft sind und weitere Reduktionen auf anderem Weg nicht mehr realisierbar sind", heißt es von BMW.

Klimafreundliche Fortschritte bei der Mobilität haben vielleicht auch deshalb keine Priorität für einige Unternehmen, weil Dienstreisen oft nur einen sehr geringen Teil der Konzernemissionen ausmachen. Henkel etwa weist darauf hin, dass es nur 0,1 Prozent seien.

Telekom verbietet einige Kurzstreckenflüge

Alle befragten Unternehmen gaben an, ihre Mitarbeiter schon lange dazu aufzurufen, nur dann zu fliegen, wenn es keine andere vertretbare Möglichkeit gebe. Virtuelle Treffen mit Kolleginnen oder die Anreise mit der Bahn seien zu bevorzugen. Kein Wunder: Videokonferenzen sind schließlich auch billiger als Flugtickets.

Die Deutsche Telekom geht hier vergleichsweise forsch voran: Ihre Mitarbeiter dürfen für Kurzstrecken innerhalb Deutschlands, die gut mit der Bahn zu bewältigen sind, heute gar keine Flugtickets mehr buchen. Ein generelles Inlandsflugverbot sei aber nicht denkbar, heißt es: Man müsse kurzfristig reagieren können, dafür sei die Option Flugzeug unverzichtbar.

Was die genaue Anzahl der gebuchten Flüge in den vergangenen Jahren betrifft, gibt man sich quer durch den deutschen Leitindex eher verschlossen. Nur vier Dax-Unternehmen konnten oder wollten Daten mitteilen. Bei der Deutschen Bank allerdings hat sich die Zahl der Flüge in den vergangenen sechs Jahren halbiert. Die Allianz buchte im vergangenen Jahr 14 Prozent weniger Inlandsflüge als 2016. Ins Ausland gingen sowieso nur drei Prozent aller Flüge der Allianz Deutschland, teilte der Versicherungskonzern mit. Deutlich mehr Flugtickets als früher kaufte dagegen der Wohnungskonzern Vonovia: In den vergangenen drei Jahren stieg die Zahl der Inlandsflüge um 28 Prozent, die Zahl der Auslandsflüge sogar um das 2,7-Fache. Das Unternehmen wächst europaweit. Bei Bayer ging die Zahl der Flüge von 2017 auf 2018 um rund ein Drittel zurück. Im laufenden Jahr zeigt der Trend aber wieder in die andere Richtung.