Carsharing scheint ein Erfolgsmodell zu sein: Die Zahl der Nutzer ist durch stationsunabhängige Angebote von weltweit drei Millionen registrierten Mitgliedern im Jahr 2013 auf 27 Millionen im Jahr 2018 gestiegen. Doch der Schein trügt, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) unter Berufung auf eine Studie von A.T.Kearny, die dem Blatt vorliegt. Marktanalyst Wulf Stolle spreche darin von einem "Geschäftsmodell mit rasierklingendünnen Margen", das sich in den allermeisten Städten Deutschlands nicht rechne. Denn den meisten Kommunen fehle es dafür an der notwendigen Bevölkerungsdichte von mindestens 3.000 Personen pro Quadratkilometer.

Nur fünf Prozent aller Nutzer, so Stolle laut SZ, würden mit dem Angebot überhaupt in Berührung kommen. Damit sei Carsharing ein unprofitables Nischengeschäft. "Selbst wenn jeder Mensch, der in den dicht besiedelten Hotspots von München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart lebt, auf sein Fahrzeug künftig verzichten und nur noch sharen würde, dann ließen sich in Deutschland gerade einmal fünf Prozent der Fahrzeuge reduzieren", sagte Stolle in der SZ. Und das gelte auch für alle anderen europäischen Flächenstaaten.

Im Jahr 2011 hatte die Unternehmensberatung Frost & Sullivan noch errechnet, dass ein geteiltes Fahrzeug acht bis zehn Privatautos ersetzen könne. Das hat sich laut der Studie nicht bestätigt. Ebenso wenig der prognostizierte Erlös durch Carsharing in Höhe von sieben Milliarden Euro im Jahr 2020.

Die Stadt, in der das Geschäft mit den geteilten Autos am besten läuft, ist demnach Berlin. In der dicht besiedelten deutschen Hauptstadt gibt es auch die meisten Anbieter: Mehr als 5.000 Fahrzeuge stehen hier zur kollektiven Nutzung bereit. Knapp die Hälfte davon ist elektrisch betrieben. Doch weder in Berlin noch an anderen Carsharing-Städten seien die Zulassungszahlen bei privaten Pkws gesunken, zeigt die Studie laut SZ.

Dadurch entstehe ein neues Problem: Die Carsharing-Fahrzeuge verschärften das Verkehrsproblem in den Städten, sorgten für mehr Staus und Parkplatzfrust. Deshalb und wegen des Streits um Parkplatzgebühren habe sich in Stockholm bereits ein Anbieter wieder zurückgezogen. Die Leute dort würden lieber Fahrrad fahren.