Deutschland soll nach dem Willen der Bundesregierung Zentrum einer umweltfreundlichen Luftfahrt werden. Dazu hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Luftfahrtkonferenz in Leipzig eine nationale Wasserstoffstrategie angekündigt. Diese solle bis Ende des Jahres erarbeitet werden, sagte Merkel. 

Die Regierung setze nicht nur auf E-Mobilität, sondern auch auf Wasserstoff als Antriebsmittel. Angesichts von rund 850.000 indirekt in der Luftfahrt Beschäftigten in Deutschland sei es wichtig, dass die Branche leistungs- und wettbewerbsfähig bleibe. Dazu gehöre auch, dass Deutschland zu einem führenden Standort für klimaverträglichere Luftfahrttechnologien werden solle, sagte sie. Es gebe zunehmend Kritik gerade an der Frage des Flugverkehrs, sagte Merkel. Umso wichtiger sei es, dass die Branche zeigen könne, dass Wachstum "nicht immer mit mehr Wachstum klimaschädlicherer Emissionen verbunden ist".

Für die Finanzierung der Erforschung synthetischer Kraftstoffe, aber auch Triebwerkstechnologien und Aerodynamik will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer verwenden. Bislang fließt das Steueraufkommen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr ohne Zweckbindung in den Bundeshaushalt. "Wir haben für die Strukturpolitik einiges zum Kohleausstieg an Geld vorgesehen, da muss auch Geld da sein für Innovation und Forschung. Darüber müssen wir streiten", sagte er ebenfalls auf der Luftfahrtkonferenz.

Fliegen ist klimaschädlichste Art der Fortbewegung

Dabei brachte er auch eine Erhöhung der Luftverkehrssteuer ins Gespräch. Aus der Branche seien Vorschläge zu einer "Anpassung" der Abgabe gekommen, um den Druck für Innovationen zu erhöhen, sagte Scheuer.

Fliegen ist laut Umweltbundesamt die klimaschädlichste Art, sich fortzubewegen; die Branche ist daher in der Defensive. Anfang August hatte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft ein Sechs-Punkte-Programm vorgestellt, das die CO2-Emissionen im Flugverkehr stark senken soll. Merkel lobte die Selbstverpflichtung der Branche, ab 2020 das Emissionsniveau der Flugzeuge zu halten und 2050 dann auf 50 Prozent des Werts von 2005 zu senken. Nötig sei dafür etwa die Produktion von synthetischen, klimafreundlicheren Kraftstoffen oder der Umstieg auf elektrisch angetriebene Flugzeuge.

Auf der Konferenz sprach Merkel auch über die Folgen auf dem Luftfahrtmarkt nach dem Brexit. Großbritannien werde nach dem Austritt aus der Europäischen Union nicht mehr die vollen Rechte haben können. Sie werde bei ihrem Treffen mit dem britischen Premierminister Boris Johnson darüber reden, "wie wir einen möglichst friktionsfreien Austritt Großbritanniens hinbekommen", sagte Merkel. "Denn wir müssen um unser Wirtschaftswachstum natürlich kämpfen." 

Dazu sei auch nötig, mit Großbritannien ein neues Luftverkehrsabkommen auszuhandeln, weil das Land dann ein sogenannter Drittstaat werde. Dies brauche aber Zeit. Daher wäre es am besten, klare Regeln für einen Übergangszeitraum zu vereinbaren, um negative Auswirkungen in der Luftfahrt zu vermeiden, mahnte Merkel.