Als "groben Unfug" hat der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn den Vorschlag von Linken-Chef Bernd Riexinger bezeichnet, die 1. Klasse in Nahverkehrszügen abzuschaffen. "Das Problem der überfüllten Züge ist nicht unbedingt die erste Klasse", sagte Karl-Peter Naumann der Nachrichtenagentur dpa." Diese werde zwar nicht überall gebraucht, wohl aber im Berufsverkehr oder bei längeren Regionalexpress-Fahrten – etwa auf Strecken wie Hamburg-Rostock und Berlin-Cottbus. "Wenn ich mehr Platz schaffen will, brauche ich längere Züge", so Naumann.

Riexinger hatte seinen Vorstoß damit begründet, dass man in Zeiten der Energiewende und dem Ausbau des Nahverkehrs günstige Mobilität für alle bereitstellen müsse. "Wir leisten es uns, in überfüllten Regionalexpressen fast leere Waggons mit Wagen der 1. Klasse mitzuschleppen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Die sollten einfach für alle geöffnet werden, dann hätten wir auf einen Schlag mehr Kapazität – und zwar praktisch gratis." Bei Bussen käme Deutschland auch problemlos ohne unterschiedliche Klassen aus.

Nach Einschätzung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) wollen Kunden aber gar nicht auf 1.-Klasse-Bereiche verzichten. Fahre in einem Zug mal ein Wagen mit weniger 1.-Klasse-Plätzen als vorgesehen, gingen sofort Kundenbeschwerden ein, sagte ein Sprecher. Auch der Bahn-Beauftragte der Bundesregierung lehnt Riexingers Vorschlag ab, den er als sozialistische Gleichmacherei kritisiert. "Wenn jemand für breitere Sitze und mehr Platz bezahlen will, so soll man das Reisen doch so ermöglichen", sagte Enak Ferlemann.

Dass mit einer Verschlechterung des Angebotes ein Verkehrsmittel besser werden solle, gebe es nur "in einer linken Gedankenwelt des Klassenkampfes", sagte FDP-Verkehrsexperte Torsten Herbst dem RND. Gerade für Berufspendler werde die Bahn mit einem Wegfall der 1. Klasse nicht attraktiver, sondern deutlich unattraktiver.