Sechs Wochen nach der tödlichen Attacke auf ein Kind am Frankfurter Hauptbahnhof haben sich Bundesregierung und Deutsche Bahn auf schärfere Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen geeinigt. Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, soll die Videoüberwachung ausgebaut werden und die Bundespolizei an Bahnhöfen präsenter sein.

Beschlossen wurde dies, als sich Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (beide CSU) mit Vertretern der Bahn trafen. Eine Sprecherin des Innenministeriums sprach im Anschluss von einem "ausgesprochen konstruktiven" Gespräch. Über die Ergebnisse soll demnach am Donnerstag informiert werden.

Anlass für das Spitzentreffen war der Angriff in Frankfurt am Main am 29. Juli, als ein Mann am Hauptbahnhof einen achtjährigen Jungen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen hatte. Das Kind starb im Gleisbett, die Mutter konnte sich in letzter Sekunde retten und wurde verletzt. Der Tatverdächtige wurde direkt nach der Attacke gefasst. Er ist seit Ende August vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

"Mehr Präsenz an stark frequentierten Bahnhöfen"

Seehofer hatte nach der Tat angekündigt, mit dem Bundesverkehrsministerium und der Bahn darüber sprechen zu wollen, wie sich die Sicherheit an Bahnhöfen erhöhen lässt. Unter anderem hatte er verlangt, dass mehr Polizeistreifen unterwegs sein sollen. Die Bundespolizei, die Seehofer unterstellt ist, hatte daraufhin angekündigt, "ihre Präsenz insbesondere an den stark frequentierten Bahnhöfen verstärken" zu wollen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte unmittelbar vor dem Treffen von Seehofer, Scheuer und den Bahn-Verantwortlichen einen weitreichenden Personalmangel, der seit 1992 bestehe. "Die Bahnpolizei wurde an Knotenpunkten verstärkt, aber aus der Fläche abgezogen", sagte GdP-Vizechef Jörg Radek den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Beispielsweise für Thüringen haben wir eine Bahnpolizeiinspektion, die für die gesamte Fläche des Bundeslands zuständig ist." Daraus könnten sich bis zu zweistündige Anfahrtszeiten ergeben, wenn beispielsweise spielende Kinder auf Gleisanlagen gemeldet würden. Radek forderte den Bundesinnenminister dazu auf, diese Missstände zu korrigieren.

Zugleich warf Radek der Bahn mangelnde Unterstützung vor. Die Bundespolizei brauche mehr und bessere Wachen an den Bahnhöfen, sagte er dem Südwestrundfunk. "Ich sehe immer noch Dienststellen ohne barrierefreie Zugänge, ich sehe immer noch Dienststellen, wo wir unangemeldete Besucher in Form von Kakerlaken haben", kritisierte der Gewerkschafter.