Ich bin Teilnehmer eines Carsharing-Vereins. Wie verhält es sich mit einer Schweizer Vignette in einem Carsharing-Auto, wenn die Vignette nicht abgelöst werden darf? Denn es kann sein, dass mir bei der nächsten Fahrt in die Schweiz dieses Auto, in das ich die Vignette eingeklebt habe, nicht zur Verfügung steht. Das heißt, ich müsste wieder eine neue kaufen. Würden die Schweizer Behörden es in diesem Falle tolerieren, wenn die Vignette abgelöst und in das aktuell gebuchte Fahrzeug geklebt wird?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Stefan Sonntag aus Augsburg.

Wie und wo eine Vignette aufgeklebt sein muss, wenn man mit dem eigenen Wagen in Österreich oder der Schweiz unterwegs ist, haben wir bereits behandelt. Aber wie sieht es mit einem Leihwagen oder einem Auto aus der Flotte eines Carsharing-Vereins aus?

In der Schweiz wird die Maut von der Eidgenössischen Zollverwaltung erhoben. Für eine Jahresvignette beträgt die Gebühr aktuell 40 Schweizer Franken oder 36,50 Euro. In den Bestimmungen ist zu lesen, dass auch dort der Grundsatz gilt: Die Vignette ist an den Wagen gebunden und nicht an den Fahrer. Sie darf nicht abgelöst und an einem anderen Fahrzeug angebracht werden, sonst drohen Geldstrafen.

Eine Ausnahme sehen die Bestimmungen nur für eine beschädigte Windschutzscheibe vor: In diesem Fall wird die Vignette ersetzt. "Bei einem Carsharing-PKW oder auch einem Mietwagenfahrzeug handelt es sich aber um ein ganz anderes Fahrzeug", sagt Andreas Krämer, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Frankfurt am Main. Mit dem Auto, für das der Leser eine Vignette für die Nutzung von bestimmten Straßen in der Schweiz gekauft hat, können schließlich auch andere Mitglieder des Carsharing-Vereins in das Nachbarland fahren, die Gebühren ließen sich auf mehrere Schultern verteilen.

"Eine abgelöste Vignette und der Hinweis, dass diese von einem Carsharing-Auto stammt, dürfte die Schweizer Behörden nicht überzeugen, diese für ein anderes Carsharing-Auto anzuerkennen", sagt Krämer und rät ausdrücklich davon ab. Stattdessen empfiehlt der Rechtsanwalt, das Problem mit dem Carsharing-Verein zu lösen, beispielsweise in einer Mitgliederversammlung. Andreas Krämer hat sich die veröffentlichten Geschäftsbedingungen einiger Carsharing-Unternehmen angesehen und dort aber keinen Hinweis auf das Problem von Autobahnvignetten gefunden.