Doch den Umweltaktivisten geht es nicht nur um SUVs oder den Verbrennungsmotor. "Wir müssen wegkommen vom Auto", findet Marie Klee. Während die Autoindustrie die individuelle Mobilität durch den Elektroantrieb retten will, haben die Aktivisten vor den Messetoren ganz andere Ziele: "Die Autobranche will eine Antriebswende, aber was wir brauchen, ist eine Verkehrswende", sagt Klee. Denn weder das Platzproblem in den Städten noch der hohe Ressourcen- und Stromverbrauch würden mit Elektroautos gelöst. "Unser Ziel sind autofreie Städte, mehr Platz für Fuß- und Radverkehr sowie ein massiv ausgebauter und kostenloser Nahverkehr."

Das sieht auch Klaus Gietinger so. Der Filmregisseur und Buchautor steht am Rand der Blockaden und hält eine Kamera in der Hand. Er möchte einen Film über das "Ende des Autos" drehen. Dabei setzt er große Hoffnungen in die jungen Klimaaktivisten: "Das hier könnte der Anfang vom Ende des Autos sein." Im Juni ist Gietingers Buch Vollbremsung erschienen. Es ist eine Kampfschrift: "Das Auto ist eine Massenvernichtungswaffe, es tötet jährlich Millionen Menschen und entwickelt sich zum Klimakiller Nummer eins." Autofahren, sagt der 64-Jährige, sei wie eine Droge: "Viele Menschen finden es geil, auf das Gaspedal zu treten." Die Reaktionen auf sein Buch: Viel Zuspruch und Morddrohungen. Auch das ist Ausdruck des Kulturkampfs ums Auto. "Aber es bewegt sich was", glaubt Gietinger, "die Proteste führen langsam zu einem Bewusstseinswandel."

Ein Besucher ruft: "Ihr seid alle krank"

Obwohl heute niemand von drinnen nach draußen kommt, um den Dialog zu suchen, konnte selbst die Autoindustrie den Protest nicht völlig ignorieren. Vor der IAA diskutierten Kritikerinnen und Vertreter der Autolobby in Talkshows, an runden Tischen und bei Bürgerdialogen miteinander. Irritationen löste aus, dass der Frankfurter Oberbürgermeister nicht wie in früheren Jahren auf der IAA-Eröffnung sprechen durfte. Peter Feldmann veröffentlichte seine Rede dennoch – und spart dort nicht mit Kritik: "Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUVs." Den Demonstranten sprach der SPD-Politiker seine Dankbarkeit aus.

Auch einige Besucher der Messe zeigen Sympathie für die Proteste. "Ich habe viel Verständnis dafür, denn nur durch eine unmittelbare Konfrontation findet ein Umdenken statt", sagt Lars Korten. Er sei im Bereich alternativer Antriebe tätig, sagt er, und wolle sich "heute bestimmt keine SUVs" anschauen. "Das Auto ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems", findet ein anderer Besucher. Sogar ein Mann im ADAC-Shirt sagt: "Ich kann das verstehen."

Andere zeigen sich weniger erfreut. Ein Besucher ruft den Demonstranten aus sicherer Entfernung zu: "Ihr seid alle krank." Am Nachmittag kommt es vereinzelt zu Rangeleien, mancher Besucher will sich gewaltsam seinen Weg durch die Blockade bahnen. Als sich die Aktivisten am Nachmittag in Richtung eines weiteren Eingangs bewegen, setzt die Polizei einige von ihnen fest. Für sie endet der Protest, sie bekommen einen Platzverweis.

Trotzdem bleibt es bis in den frühen Abend hinein insgesamt sehr friedlich. Die Aktivistinnen und Aktivisten ziehen ein positives Fazit: "Wer über die IAA redet, kommt an den Protesten nicht vorbei", sagt Marie Klee.