ZEIT ONLINE: Die Zukunft ist teuer, aber die Vergangenheit war das auch. Porsche hat 535 Millionen Euro Strafe an die Staatsanwaltschaft Stuttgart zahlen müssen, weil die von Audi gebauten Dieselmotoren der Porsche-Modelle nicht sauber waren. Welche Lehre ziehen Sie persönlich aus dem Dieselskandal?

Blume: Uns ist wichtig, dass das Ordnungswidrigkeitenverfahren damit abgeschlossen ist. Wir legen keine Rechtsmittel ein. Wir wollen dieses Kapitel für die Porsche AG beenden und unsere Kraft für die Zukunft des Unternehmens einsetzen. Für ein Unternehmen ist das von extrem großer Bedeutung.

ZEIT ONLINE: Wie stellen Sie sicher, dass Porsche mit Elektromotoren nicht Ähnliches passiert? Zum Beispiel, dass in den Batteriezellen Kobalt verarbeitet wird, das von Kinderhand abgebaut wurde?

Blume: Da wir unsere Lieferanten sorgfältig auditieren, lässt sich die Herstellungskette der Zulieferprodukte sehr gut zurückverfolgen – bei kritischen Rohstoffen wie Kobalt bis hin zu ihrem Abbau. Unser Einkauf beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit sehr intensiv mit sämtlichen Nachhaltigkeitsaspekten in der Lieferkette und achtet hier auf eine hohe Transparenz. Wir kaufen die Rohstoffe nicht selbst ein, verpflichten aber unsere Zulieferpartner auf eine nachhaltige Rohstoffbeschaffung, die alle Belange des Umweltschutzes und der Menschenrechte berücksichtigt. Das wird auch regelmäßig überprüft. So kennen wir beim Kobalt für die Taycan-Batterie die Mine und die Schmelze. Aufgrund eigener Besuche vor Ort und unabhängiger, externer Zertifizierungen können wir Menschenrechtsverletzungen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.

ZEIT ONLINE: Sie verantworten auch die Volkswagen-Produktion. Der Konzern setzt ebenfalls aufs Elektroauto. Ist das nicht eine riskante Wette?

Blume: Das ist zunächst einmal eine klare Strategie, um das Unternehmen auf die Zukunft auszurichten. Die Elektromobilität kommt auch nicht von einem Tag auf den anderen. Der Prozess wird mehr als zehn Jahre dauern. Volkswagen wird in der Übergangsphase selbstverständlich auch weiterentwickelte Verbrennungsmotoren anbieten. Von den drei Technologien, die emissionsneutral sein werden, ist die Elektromobilität derzeit die reifste. An den anderen forschen wir aber weiter.

ZEIT ONLINE: Was hat Volkswagen-Chef Herbert Diess mit Ihnen gemeinsam?

Blume: Sagen Sie es mir.

ZEIT ONLINE: Gegen Sie beide ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Volkswagen-Chef steht womöglich bald wegen des VW-Skandals vor Gericht, Porsche könnte Steuervergehen verschleiert haben. Wie sehr belasten solche Vorwürfe den Arbeitsalltag?

Blume: Soweit Verfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig sind, haben wir diese Themen proaktiv und freiwillig gemeldet. Das war bei dem von Ihnen genannten Dieselthema genauso. Das ist Ausdruck unserer Unternehmenskultur.

ZEIT ONLINE: Wie gehen Sie damit um?

Blume: Meine Vorstandskollegen und ich haben hier jeweils zeitnah die gebotenen Schritte eingeleitet. Wir haben diese Themen proaktiv bei der Staatsanwaltschaft adressiert und kooperieren mit den Behörden. Diesen Weg werden wir weitergehen.

ZEIT ONLINE: Das klingt nach Managerfloskel.

Blume: Unser Vorstandsteam steht dafür, Themen aktiv anzugehen. Dies haben wir in diesem Fall und auch in der Vergangenheit bewiesen.

ZEIT ONLINE: Kann man einen Konzern führen, wenn man in einem Wirtschaftsprozess vor Gericht steht?

Blume: Es gibt insoweit kein Gerichtsverfahren. Die laufenden Ermittlungen kosten natürlich Zeit, dürfen uns aber im Arbeitsalltag nicht ablenken. Es sind jeden Tag viele Entscheidungen zu treffen – manche von erheblicher Tragweite für die Zukunft. Darauf konzentriert sich unsere Arbeit im Team.

ZEIT ONLINE: Ihr Büro ist für Staatsanwälte furchtbar. Nirgendwo liegen Papiere oder Akten.

Blume: Umso mehr überraschte mich ihr Besuch.

ZEIT ONLINE: Bestechen Sie Ihre Gäste mit Ritter Sport oder sind die acht Tafeln hinter ihrem Schreibtisch nur für Sie?

Blume: Damit besteche ich mich höchstens selbst. Wenn ich mittags nicht zum Essen komme und der Zuckerspiegel runtergeht, ist Schokolade mein Favorit.