Elektroautos sind auf dem besten Weg, die Nische zu verlassen. Sogar der Sportwagenhersteller Porsche bringt nun mit dem Taycan einen rein elektrischen Wagen auf den Markt. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Blume erklärt im Interview, warum er es für logisch hält, auf den Elektroantrieb zu setzen und wie es gelingen soll, dafür nachhaltig abgebaute Rohstoffe zu verwenden.

ZEIT ONLINE: Herr Blume, Sie sind in einfachen Verhältnissen in Braunschweig aufgewachsen. War Porsche da ein Thema für Sie?

Oliver Blume: Als ich ein Kind war, habe ich, wie alle meine Freunde, viel mit Matchboxautos gespielt. Der Porsche zählte zu meinen Lieblingsautos. Und beim Quartett hat er die anderen meist gestochen. Das war natürlich cool. Meinen ersten eigenen Porsche bin ich erst 2013 gefahren, als ich bei Porsche anfing.

ZEIT ONLINE: Heute präsentieren Sie in Berlin mit dem Taycan den ersten vollelektrischen Porsche. Warum wird ein Sportwagen elektrisch?

Blume: Warum nicht? Die E-Mobilität steht für hohe Performance und Effizienz. Das passt zu Porsche. Auf der Rennstrecke, beispielsweise mit drei aufeinanderfolgenden Siegen beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, haben wir bereits sehr positive Erfahrungen mit dieser Technologie gemacht. Und wir beschäftigen uns intensiv mit der Frage, wie die Zukunft des Automobils aussehen könnte. Übrigens: Als Ferry Porsche …

ZEIT ONLINE: … der Sohn des Unternehmensgründers …

Blume: … in den Vierzigerjahren anfing, Sportwagen zu bauen, hat er als Erstes einen Roadster entwickelt. Dabei hatten die Menschen damals ganz andere Sorgen. Aber Ferry Porsche hat in die Zukunft geblickt, an seiner Idee festgehalten und eines der erfolgreichsten Automobile der Welt entwickelt. Dieser Schritt war mutig, aber fundiert. Und daran orientieren wir uns auch heute. Wir haben uns verschiedene emissionsfreie Antriebsalternativen angesehen: Elektro, Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe. Was die Energieeffizienz in der Well-to-wheel-Betrachtung betrifft, ist der Elektroantrieb den anderen deutlich überlegen. Und seine Technik passt sehr gut zum Sportwagen. Die Beschleunigung und die Kraft sind sogar noch schneller verfügbar als beim Verbrenner. Insofern ist es nur konsequent von uns, einen vollelektrischen Sportwagen zu entwickeln. Hinzu kommt, dass die Nachhaltigkeit ein zentrales Ziel unserer Unternehmensstrategie ist. Wir nehmen unsere Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt ernst.

ZEIT ONLINE: Was wird der Taycan kosten?

Blume: Wir starten mit dem Topmodell. Da liegt der Preis bei rund 150.000 Euro. Der Einstiegspreis wird unter 100.000 Euro liegen, leicht unterhalb des Panamera.

ZEIT ONLINE: Wie viele davon wollen Sie 2020 verkaufen?

Blume: Die Resonanz ist extrem gut. Weit mehr als 20.000 Kunden haben mit einer Anzahlung bereits ihr ernsthaftes Kaufinteresse bekundet. Und das, obwohl sie den Taycan noch nicht einmal gesehen haben, geschweige denn gefahren sind. Das zeugt vom Vertrauen, das die Kunden in unsere Marke haben. Wir haben ursprünglich mit 20.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr geplant. Diese Zahl werden wir jetzt nach oben anpassen.

ZEIT ONLINE: Was hat Sie stärker getrieben? Der Erfolg von Tesla oder der Dieselskandal?

Blume: Weder noch. Initiiert haben wir das Projekt – die E-Mobilität bei Porsche – deutlich früher. Wobei ich großen Respekt davor habe, was Elon Musk mit Tesla geschafft hat. Ausschlaggebend für die Entscheidung, den Taycan zu bauen, war für uns aber letzten Endes das Ergebnis einer nüchternen Analyse: Der Sportwagen der Zukunft wird elektrisch sein. Unter einer Voraussetzung: Er muss sich fahren wie ein 911.

ZEIT ONLINE: Ist der wahre Grund nicht ein ganz anderer? Die Abgasgesetze werden schärfer. Bis 2030 müssen die Hersteller – gegenüber 2021 – weitere 37,5 Prozent Emissionen sparen. Das hätte Porsche mit Benzinern nie geschafft.

Blume: Wir unterstützen das politische Engagement voll und ganz. Daher war es auch immer unser Anspruch, die Grenzwerte aus eigener Kraft zu erreichen. Bei einem vergleichsweise kleinen Automobilunternehmen wie Porsche, das noch dazu Sportwagen baut, hätte man das vor nicht allzu langer Zeit noch für unmöglich gehalten. Mittlerweile bin ich zuversichtlich, dass wir die CO2-Ziele bis 2030 sogar übererfüllen können.

ZEIT ONLINE: Das liegt auch daran, dass die Emissionen eines Elektroautos vom Gesetzgeber mit null angesetzt werden, egal woher der Strom kommt. Ist das sauber?

Blume: Die emissionsfreie Mobilität in Ballungsgebieten ist ein wesentliches Ziel der E-Mobilität. Aber ganz klar: Um wirklich CO2-neutral unterwegs zu sein, muss die Energie aus regenerativen Quellen kommen. Übrigens: Auch alle unsere Standorte werden mit Naturstrom versorgt. Und unser Anspruch geht noch weiter. In der Produktion haben wir den CO2-Schadstoffausstoß pro Fahrzeug in den vergangenen fünf Jahren bereits um 75 Prozent reduziert. Unsere Vision sind 100 Prozent: ein Unternehmen ohne ökologischen Fußabdruck. Von der Entwicklung über die Herstellung bis zum Recycling. Mit der komplett CO2-neutralen Produktion des Taycan setzen wir jetzt den Startpunkt.