Das Aktionsbündnis Sand im Getriebe hat die Blockade der Automesse IAA in Frankfurt am Main für "erfolgreich beendet" erklärt. Derzeit schlössen sich Aktivistinnen und Aktivisten zu einer spontanen Demonstration zusammen, schrieb das Bündnis am Sonntagnachmittag um halb vier (Ortszeit) in einer Pressemitteilung.

Die Klimakrise sei nur noch mit einer radikalen Verkehrswende aufzuhalten, sagte Sprecherin Tina Velo laut Mitteilung. "Doch das war erst der Anfang: Wir streiten an vielen Orten weiter für die Verkehrswende, bis unsere Städte und Straßen wieder für Menschen da sind, statt für Autos!"

Mehrere Hundert Demonstranten hatten den Haupteingang zur Automesse IAA in Frankfurt am Main blockiert und protestierten auch vor einem weiteren Eingang im Westen des Geländes, wo Shuttlebusse zwischen einem Parkhaus und der Messe pendelten. Zu Fuß war dieser Eingang offenbar aber noch benutzbar. Eine dritte Gruppe umrundete das Gelände dem Bündnis zufolge mit Fahrrädern. Die S-Bahn-Eingänge zur Messe ließen die Aktivistinnen und Aktivisten allerdings frei. Sie zu blockieren, "wäre ja widersinnig", sagte Sand-im-Getriebe-Sprecherin Tina Velo am Telefon zu ZEIT ONLINE.  

Ein IAA-Sprecher hatte die Störungen bestätigt. Besucher der Messe würden umgeleitet. Auf Twitter empfahl die Messe am Nachmittag die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Blockierenden forderten in Sprechchören autofreie Innenstädte. "Wir sind in einer Notsituation", sagte die Teilnehmerin Margret Paul mit Blick auf den Klimawandel. Ziviler Ungehorsam sei deswegen angebracht. Es müsse gehandelt werden. Auch Elektroautos seien keine Lösung, sagte Dominique Just von der Umweltorganisation Robin Wood. "Statt E-Autos zu fördern, muss Geld in den Ausbau von Bahn, ÖPNV und Radverkehr investiert werden."   

Polizei beklagt Blockaden von Rettungswegen

Die Polizei sprach zunächst von einem friedlichen Verlauf der Proteste, beklagte aber später via Twitter "vermehrt, u.a. im Bereich des #SkylinePlaza, Blockaden von Rettungs- und Fluchtwegen", die jedoch frei gehalten oder frei geräumt werden müssten. "Leistet hierzu den Anweisungen von uns vor Ort Folge!" Einem anwesenden Journalisten zufolge kesselte die Polizei an der Brüsseler Straße in unmittelbarer Nähe des Skyline Plaza rund 200 Protestierende ein. 

Mit den Aktionen setze Sand im Getriebe "ein deutliches Zeichen gegen das zerstörerische Verkehrssystem, für das die weltgrößte Automesse nach wie vor steht", sagte Marie Klee, eine Sprecherin des Bündnisses, laut Mitteilung. Mit der Blockade wolle man zeigen, "dass wir uns nicht länger mit leeren Versprechungen hinhalten lassen, sondern den Wandel hin zu klimagerechtem Verkehr lieber selbst in die Hand nehmen."    

"Bis sie uns nicht mehr ignorieren können"

In seinem Aktionskonsens erklärt das Bündnis, es sehe sich in der Tradition des friedlichen zivilen Ungehorsams. Bei den Aktionen solle niemand gefährdet und verletzt und keine materielle Infrastruktur beschädigt werden. Man wolle den Druck auf die Verantwortlichen so lange erhöhen, "bis sie uns nicht mehr ignorieren können".

Schon am Samstag hatten nach Polizeiangaben 15.000 Menschen bei einer Kundgebung vor dem Messegelände eine rasche Verkehrswende und mehr Klimaschutz gefordert. Die Veranstalter bezifferten die Teilnehmerzahlen auf 25.000.

Ebenfalls am Samstag war die IAA 2019 für das Publikum geöffnet worden. Nach Angaben des scheidenden Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, waren an dem Tag rund 60.000 Besucher auf die Messe gekommen. Die IAA dauert noch bis 22. September.