Oft sind Radwege gar nicht als Radwege gekennzeichnet, sondern nur farblich anders (z. B. rötlich). Manchmal trennt auch nur ein weißer Streifen einen grauen Fußweg in zwei Bereiche, es steht aber nirgends ein Schild oder es fehlt ein Bild auf dem Asphalt, dass es ein Radweg ist. Gelten solche Bereiche als Radweg? Welche Rechte habe ich darauf, habe ich gegenüber Fußgängern Vorfahrt und darf sie anklingeln? Was passiert bei einem Zusammenstoß Radfahrer/Fußgänger?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Ben Lustig.

In den vergangenen Jahren haben sich manche Kommunen entschlossen, Radfahrerinnen und Radfahrer besser zu schützen. Manche pinseln auf Gehsteige weiße Linien und stellen Schilder auf. Andere verwandeln Parkplätze in einen Radweg, kennzeichnen diesen mit einer durchgehenden Linie auf der Straße und markieren den Radweg zusätzlich mit roter Farbe und einem Schild. Das ist auch dringend notwendig, denn allein von Januar bis Mai 2019 stieg die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,3 Prozent auf 158 Menschen.

Um einen benutzungspflichtigen Radweg handelt es sich nur dann, wenn dieser auch mit einem entsprechenden Schild gekennzeichnet ist, ein nur auf die Radspur gemaltes Fahrradsymbol reicht nicht aus. In Städten mit breiten Bürgersteigen teilen sich manchmal Fußgänger und Radfahrer diese Zone. Auch hier gilt, dass es meistens eine Markierung und ein Schild gibt, das diesen Bereich als Radweg festlegt. Eine gemeinsame Nutzung des Gehwegs wird durch einen waagerechten Querbalken im Verkehrsschild angeordnet (Zeichen 240). "Fußgängern und Radfahrern wird somit ein gemeinsam genutzter Weg zugewiesen, ohne dass räumlich voneinander abgetrennte Bereiche vorhanden sind", sagt Frank Häcker, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Aschaffenburg.

"Weist das Verkehrsschild hingegen einen senkrecht angebrachten Balkan aus (Zeichen 241), wird hierdurch die Nutzung in voneinander abgetrennten Bereichen angeordnet", erklärt Häcker. Dann zeigt meistens auch eine Markierung unterschiedliche Nutzungszonen für Fußgänger und Radfahrer an. "Ein Radweg muss jedoch grundsätzlich durch ein Schild ausgewiesen sein. Allein eine farbliche Markierung des Weges ersetzt nicht die Beschilderung", fügt Häcker hinzu.

Fußgänger und Radfahrer, die sich gemeinsam auf dem Gehsteig bewegen, selbst wenn es getrennte Zonen gibt, sollten immer Rücksicht aufeinander nehmen. "Läuft ein Fußgänger auf dem abgetrennten Radfahrweg, kann ihn zwar der Radfahrer mit seiner Klingel auf dessen Fehlverhalten aufmerksam machen", sagt Häcker.

Doch der Rechtsanwalt warnt vor Rechthaberei und einer rücksichtslosen Fahrweise. Schließlich gilt für alle der Grundsatz, nachzulesen in Paragraf 1 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO): "Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird", zitiert Häcker. Deshalb mahnt der Rechtsanwalt Rücksichtnahme an: "Radfahrer sollten im Zweifel ausweichen und nicht rücksichtslos agieren." Kommt es zu einem Unfall zwischen Radfahrer und Fußgänger sind meist beide dafür verantwortlich.