Öffentliche Ladestellen für Elektroautos gibt es vielerorts bereits genug. Aber wer sich ein eigenes E-Auto anschafft, wird es in der Regel auch zu Hause laden wollen. Denn da steht es ja jede Nacht. Den Wagen einfach an eine Steckdose zu hängen, ist nicht zu raten. Die Lösung ist eine Wallbox, eine Ladestation für zu Hause. Deren Einbau ist aus technischer Perspektive kein Problem, und besonders teuer ist die Wandladestation auch nicht. Es gibt aber noch rechtliche Hindernisse, an denen die Politik arbeitet. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist überhaupt eine Wallbox?

Eine Wallbox macht das Laden zu Hause schneller und sicherer. Wenn das Elektroauto über ein Kabel verbunden ist, beginnt per Software die Kommunikation: Wie viel Wechselstrom bietet die Wallbox an und wie viel lassen das Ladegerät und die Batterie im Fahrzeug zu? Mit dieser Steuerung verläuft der Ladevorgang optimal.

In Deutschland sind Drehstromanschlüsse üblich, wie sie vom Elektroherd in der Küche bekannt sind. Das ergibt eine dreiphasige Leistung von mindestens elf Kilowatt. Aus der Elektrikersprache ins Deutsche übersetzt: Ein Auto kann in einer Stunde elf Kilowattstunden (kWh) laden. Ein Volkswagen ID.3 mit einer Kapazität von 58 kWh ist also in rund sechs Stunden voll. Achtung: Manche Elektroautos lassen nur kleine Ladeleistungen zu und sind folglich langsamer.

Die meisten Elektroautos könnten auch an einer simplen Haushaltssteckdose Strom ziehen. Deren Leistung ist aber auf 2,4 kW begrenzt. Der Volkswagen ID.3 bräuchte also einen ganzen Tag für die Vollladung. Neben der höheren Geschwindigkeit ist die gesteigerte Sicherheit ein Argument für eine Wallbox: Ein zusätzlicher Fehlerstromschutz minimiert das Risiko, dass das Hausnetz überlastet wird. So wird verhindert, dass Sicherungen rausfliegen, sich Teile erhitzen oder im schlimmsten Fall anfangen zu brennen.

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Lege ich mich mit einer Wallbox auf ein bestimmtes Auto fest?

Nein. Die Buchse für das Laden von Wechselstrom ist normiert und heißt Typ 2, umgangssprachlich nach einem Hersteller auch Mennekes-Stecker genannt. Das Typ-2-System ist nicht nur für batterieelektrische Autos, sondern auch für Plug-in-Hybride geeignet. Diese können eine begrenzte Strecke mit Strom aus einer extern aufladbaren Batterie fahren, bevor ein Verbrennungsmotor anspringt.

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Wie aufwändig und teuer ist der Einbau einer Wallbox?

Volkswagen bietet eine simple Wallbox zum Einführungspreis von 399 Euro an. Dieser sogenannte ID Charger hat elf kW Ladeleistung, und das Kabel ist fest installiert – es muss also nicht aus dem Kofferraum geholt und extra eingestöpselt werden. Eine Wallbox hat ungefähr die Größe eines Schuhkartons und wird mit der Wand von Garage oder Carport verschraubt. Daher stammt der ursprüngliche Begriff Wandladestation. Am Markt sind auch wetterfeste Exemplare erhältlich. Die Vielfalt ist groß.

Den Anschluss einer Wallbox sollte unbedingt ein Elektroinstallateur vornehmen. Die Arbeitskosten kommen zu denen der Hardware dazu. Wichtig ist unter anderem, dass die Stromleitungen des Hausnetzes geprüft werden: Sie dürfen nicht überaltert sein, was im Bestand durchaus vorkommt. Im Zweifel hilft nur, sie austauschen zu lassen.

Das Grundprinzip von Wallboxen ist immer gleich. Trotzdem gibt es unterschiedliche Ausführungen. Um im Beispiel Volkswagen zu bleiben: Neben der preisgünstigen Version gibt es die Wallbox ID Charger Connect mit WLAN-Anschluss und LTE-Fähigkeit ab 599 Euro. So kann der Ladevorgang via Smartphone-App überwacht und gesteuert werden. Als dritte Ausführung (ID Charger Pro, ab 849 Euro) ist eine Variante mit geeichtem Zähler erhältlich. Der ist notwendig, wenn die Stromkosten bei einem Dienstwagen korrekt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgerechnet werden sollen.

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Darf ich eine Wallbox in der gemeinsamen Garage einbauen?

Nicht ohne Zustimmung aller anderen Eigentümer der Gemeinschaft. Es genügt eine Gegenstimme, um den Einbau einer Wallbox in einer kollektiv genutzten Garage zu verhindern. Diese Regelung gilt vielen als zu streng. Es gibt bereits mehrere Initiativen, das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) zu ändern, zuletzt durch Bayern und Baden-Württemberg über den Bundesrat. Auch das Eckpunktepapier der Bundesregierung zum Klimaschutz beinhaltet eine solche Absichtserklärung.

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Welchen Anspruch habe ich als Mieter?

Keinen. Auch hier soll aber die Gesetzeslage verändert werden: Mieter sollen, falls sie einen Stellplatz zur Wohnung bezahlen, einen Anspruch auf eine Wallbox haben – deren Einbau sie aber selbst bezahlen müssen. Es ist offen, ob und wann eine Änderung durchgesetzt wird. Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung sieht vor, dass Vermieter verpflichtet werden, die "Installation von Ladeinfrastruktur zu dulden".

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Wo lade ich, wenn ich keinen eigenen Stellplatz habe?

An öffentlichen Ladestationen. Die Mehrzahl davon sind auf Wechselstrom ausgelegt und aus technischer Sicht nichts anderes als eine Wallbox. Die Versorgung in den deutschen Großstädten ist inzwischen ausreichend. Wer sein Elektroauto hier lädt, muss auf eventuelle Einschränkungen achten: In Hamburg etwa ist die Standzeit tagsüber auf zwei Stunden begrenzt, über Nacht dagegen gar nicht.

Viele Autos können außerdem an Gleichstrom-Schnellladesäulen versorgt werden. Die sind zwar seltener und meistens ist der Strom teurer. Dafür ist die Batterie im Regelfall in weniger als eine Stunde zu 80 Prozent wieder geladen.

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Gibt es für zu Hause Alternativen zur Wallbox?

Ja, aber sie sind selten. BMW etwa bietet für den Plug-in-Hybrid 530e eine induktive, also kabellose Lösung an. Hierzu wird eine Ladeplatte auf den Garagenboden gelegt, die Strom ins Auto induziert. Der 530e muss lediglich darüber geparkt werden. Eine Technologie, die auch von Smartphones oder elektrischen Zahnbürsten bekannt ist. Eine solche Ladeplatte kostet bei BMW aber 2.315 Euro. Und für das Auto, das sie nutzen kann, verlangt der Hersteller noch einmal 890 Euro Aufpreis. Kein Wunder, dass sich dieses System bisher kaum verbreitet hat – trotz des Komforts, den es bietet.

Mittelfristig haben automatisierte, kabelgebundene Ladesysteme für zu Hause gute Aussichten: Was kompliziert klingt, ist nicht mehr als ein simpler und relativ preisgünstiger Roboterarm, der das Kabel mit dem Elektroauto verbindet. Zwar wird hierdurch nur ein Handgriff gespart. Aber genau das könnte beim Nutzer oder der Nutzerin den Eindruck erwecken, man müsste überhaupt nicht mehr laden.

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