Heute Morgen wurde ich als Radfahrerin von einer Frau zurechtgewiesen, weil ich an der Ampel für Linksabbieger statt neben hinter einem Motorrad auf Grün gewartet habe. Sie meinte, ich müsse neben das Motorrad vorfahren, um mehr Platz auf der Abbiegespur zu machen – obwohl hinter ihr eigentlich gar keiner mehr stand. Ich halte grundsätzlich an Ampeln hinter anderen Verkehrsteilnehmern, schließlich darf ich bei Grün ja ohnehin nicht nebeneinanderfahren und werde zusätzlich meist noch in der Kreuzung von Autos überholt, was Platz braucht. Bin ich an Ampeln verpflichtet, Platz zu machen?, fragt ZEIT-ONLINE-Leserin Lisa Hamm aus Stuttgart.

Im Stadtverkehr zählen Stress, lautes Hupen, genervte Autofahrerinnen oder Radfahrer zum Alltag. Der Umgangston und das Verhalten sind oft ruppig, manchmal auch beleidigend. Viele gehen schnell zum Angriff über, andere versuchen es mit dreistem Verhalten. Mittlerweile fahren viele noch bei Gelb in eine Kreuzung ein und blockieren andere, die kurz darauf Grün haben. Jede Autofahrerin, jeder Motorradfahrer und auch alle Radfahrenden möchten möglichst schnell ans Ziel gelangen. Deshalb sollten sie aber weder die Sicherheit noch die Straßenverkehrsordnung (StVO) aus den Augen verlieren.

Im konkreten Fall hilft Paragraf 2, Absatz 2 der StVO weiter. Dort heißt es, dass möglichst weit rechts zu fahren ist. Gibt es einen Linksabbiegerstreifen, müssen alle, die diesen Fahrstreifen nutzen, auf dieser Spur möglichst weit rechts fahren. Das gilt natürlich auch für Radfahrende. "Allein das führt bereits dazu, dass von einem Fahrradfahrer nicht verlangt werden kann, dass er sich zum Warten auf dem Linksabbiegerstreifen neben einen anderen Zweiradfahrer aufstellen soll", erklärt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Dresden. "Die Radfahrerin hat sich also vollkommen richtig verhalten, indem sie nicht neben das Motorrad gefahren ist, sondern dahinter gewartet hat."