Elektroautos seien nichts für ländliche Regionen, aber ideal für die Stadt, heißt es immer. Denn dort sind die Strecken kurz und es gibt viele Ladesäulen. "Wir sehen das genau umgekehrt", sagt Andresen. Anders als in Städten habe auf dem Land fast jeder eine Garage – und damit die Möglichkeit, das Auto problemlos über Nacht zu laden. "Wer 30 Kilometer zur Arbeit fährt, braucht nichts anderes."

Sabine Thomsen macht genau das. Die 52-Jährige ist Berufspendlerin. Fünf Tage in der Woche, 20 Kilometer mit dem Auto ins westlich gelegene Niebüll und von dort weitere 40 Kilometer im Zug nach Westerland. Jetzt steht sie in ihrer Garage in Sprakebüll vor der Ladebox für ihren Renault Zoe. "Vom Bürgerwindpark bekommen wir 100 Euro monatlichen Zuschuss zur Leasingrate." Ganz ordentlich bei einer Leasingrate zwischen 250 und 300 Euro.

Sabine Thomsen pendelt mit dem eigenen E-Auto zur Arbeit. © Simon Frost für ZEIT ONLINE

Thomsen ist auch nach rund zwei Jahren von ihrem Elektromobil überzeugt. "Ich habe im vergangenen Jahr für 600 Euro Strom getankt." Mit ihrem alten benzinbetrieben Auto habe sie doppelt so viel ausgegeben. Zum anderen, sie lächelt, mache ihr das Auto einfach Spaß. "Man lässt auch schon mal einen Sportwagen-Fahrer an der Ampel stehen – und das können die nicht gut ab." Dass sie trotz Elektroauto mit 100 Prozent Ökostrom noch immer einen großen CO2-Fußabdruck hinterlässt, liegt an der Bahn. Die fährt mit Dieselloks auf die Nordseeinsel Sylt.

Spaß schafft Akzeptanz

40 Tonnen CO2 im Jahr, haben Nissen und Andresen ausgerechnet, sparen die Sprakebüller durch ihre Elektroauto-Offensive ein. Das entspricht in etwa 17.000 Litern Benzin. Was nicht heißt, dass es nicht reichlich schmutzige Luft nach oben gäbe. "Fast jeder Haushalt bei uns hat zwei Autos", sagt Bürgermeister Nissen. Auf dem Land sei das ja auch kaum anders möglich – quasi ohne Nahverkehr. Langfristig will er das ändern. Wer braucht noch einen teuren Zweitwagen, wenn er für wenig Geld ein Leihauto flexibel nutzen kann? Auch um solche Überlegungen anzustoßen, gibt es das Dörpsmobil, das durch die Erlöse aus den Bürgerwindparks gesponsert wird.

"Wir haben inzwischen regelrechte Stammkunden", erzählt Lothar Jürgensen. Er steht vor einem Carport auf einer kleinen Wiese mitten im Dorf, dem Zuhause des Dörpsmobils. Der 68-Jährige, graue Haare, Schnäuzer, ist einer von zwei Ehrenamtlichen, die sich um den Wagen kümmern und das Onlinebuchungsportal betreuen. Manche Leute buchten den Wagen immer wieder, obwohl sie zwei Autos in der Garage stehen hätten. "Denen geht es ums Fahrgefühl – es macht einfach unheimlich Spaß, mit einem Elektroauto unterwegs zu sein", sagt Jürgensen.

Auch das Aufladen des Dörpsmobils zählt zu Jürgensens Aufgaben. © Simon Frost für ZEIT ONLINE

Spaß schafft Akzeptanz. Das ist für Nissen die zentrale Erfahrung seiner 25 Jahre als Bürgermeister. Natürlich gebe es immer Leute, die gegen neue Entwicklungen seien. "Aber wenn die Menschen feststellen, dass sie selbst profitieren, schrumpfen die Vorurteile", sagt Nissen. Das sei beim Aufstellen der ersten Windräder 1998 so gewesen und es werde bei der Nutzung der E-Mobilität nicht anders sein.