"Das Dörpsmobil nimmt einem die Angst vor dem elektrischen Fahren, es ist versichert, man kann es einfach ausprobieren", sagt Unternehmer Andresen. Und manchmal löst es in den Menschen etwas aus. Erst vor ein paar Tagen habe eine Mitarbeiterin das Dörpsmobil getestet. "Sie war davon so begeistert, dass sie sich jetzt einen VW e-Up bestellt hat." Inzwischen folgt ein gutes Dutzend Gemeinden in Schleswig-Holstein dem Beispiel der Sprakebüller und der Nachbarn aus Klixbüll, die als Erste in der Region ein solches Bürgerauto anschafften. Bei der Umsetzung hilft eine Koordinierungsstelle des Landes.

Manchmal jedoch ist nicht die Begeisterung der Hebel, sondern die schiere Not, sich an unterschätzte Realitäten anzupassen. "Dass nun auch die deutschen Hersteller Elektroautos präsentieren, sehen wir durchaus ein bisschen als unser Verdienst an", sagt Nissen nicht ganz ernst gemeint, aber auch nicht nur im Spaß. Als die Sprakebüller vor gut zwei Jahren ihre Fahrzeuge bestellten, habe es keine konkurrenzfähigen E-Autos deutscher Marken gegeben – und so fahren sie in Sprakebüll überwiegend Modelle aus Frankreich und Fernost. "Beispiele wie unseres dürften so manchem Manager die Augen geöffnet haben, dass sich die Zeiten ändern", sagt Nissen.

Für lange Strecken oder Transporte fehlen noch Modelle

Sprakebüll zeigt aber auch, dass sich die Zeiten langsam ändern – und woran es  hapert. Jürgensen etwa kümmert sich zwar liebevoll um das Dörpsmobil, ist aber nur selten damit unterwegs. Mit seiner Frau betreibt er eine Reinigung. "Wenn ich zum Beispiel einen Teppich von 2,80 Meter Länge transportieren muss, bekomme ich das mit einem bezahlbaren E-Modell noch nicht hin." Seinen Diesel, glaubt er, wird er deshalb noch einige Jahre fahren. Und auch bei Pendlerin Thomsen stößt die Technologie noch an alltägliche Grenzen. Für Fahrten nach Bremen leiht sie sich den Diesel ihrer Mutter. Mit dem dauere eine Strecke keine drei Stunden. "Elektrisch wären es vier oder fünf – weil ich zwischendurch laden müsste."

Lange, davon ist Nissen überzeugt, werden solche Schwierigkeiten die E-Autobesitzer nicht mehr plagen. Zu schnell sei der Fortschritt. Bis dahin ist er mit Etappenzielen einverstanden. "Wir müssen dahin kommen, dass die Menschen zumindest eines ihrer zwei Autos elektrisch fahren."

Er will mit gutem Beispiel vorangehen. "Wenn kommendes Jahr der Leasingvertrag für mein Auto ausläuft, werde ich es durch ein Elektroauto ersetzen." Noch wartet er allerdings aufs richtige Modell. "Eines, in das ich als Älterer bequem ein- und aussteigen kann." Ein SUV wäre schön, kürzlich ist er schon mal den Audi E-Tron Probe gefahren. Wahrscheinlich steigt die E-Auto-Dichte in Sprakebüll bald weiter.