Der Elektromotor am E-Mountainbike wirkt wie ein Lift unterm Sattel. "Damit kommen Radler selbst steile Wege hoch und bis in die hintersten Winkel der Alpen", sagt Thomas Frey vom BUND Naturschutz in Bayern. Und weil deshalb der Radverkehr am Berg zunimmt, kommt es immer wieder zu Konflikten: Anfang August prügelte am Schliersee ein Wanderer auf einen E-Biker ein. Im Netz finden sich immer wieder Berichte von Baumwurzeln, präpariert mit Nägeln gegen die Zweiräder.

"Die vielen Radler stören die Fußgänger in ihrem Wandererlebnis", sagt Naturschützer Frey. Der sensible Alpenraum sei an schönen Tagen und an den Wochenenden ohnehin allein mit den Wanderern und normalen Mountainbikern an seiner Kapazitätsgrenze. "Jetzt kommen immer mehr Mountainbiker auf ihren elektrischen Rädern hinzu."

Das Problem betrifft nicht nur Bayern. In manchen Regionen in Südtirol wurden Strecken für Mountainbiker komplett gesperrt. Im österreichischen Sölden und schweizerischen Graubünden gibt es getrennte Wege für Mountainbiker und Wanderer – schließlich sind die E-Biker ja auch ein Wirtschaftsfaktor.

Echtes Konfliktpotenzial in den Alpen

In Oberstdorf versucht man es noch mit Appellen an Rücksicht und Toleranz: "Zämed duss" heißt die Initiative, auf Hochdeutsch "zusammen draußen". Garmisch-Partenkirchen beteiligt sich an der Kampagne "Fair Bike in Oberbayern" des Tourismusverbands Oberbayern. Schon die Anzahl der Kampagnen und Initiativen zeigt: In den Alpen gibt es echtes Konfliktpotenzial.

Viele Wanderer sind im Deutschen Alpenverein (DAV) organisiert – aber zahlreiche Mitglieder fahren auch mit dem Rad in die Berge: "Zum Konflikt kommt es, weil beide die gleichen Wege nutzen, allerdings mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten", sagt Thomas Bucher vom Münchner DAV. Im Bundesverband ist er Ansprechpartner für E-Bikes. Er meint aber auch: Alles in allem kämen die Parteien ganz gut miteinander klar. Nagelbretter und dergleichen seien absolute Einzelfälle. "Beim Snowboarden war es vor Jahren ähnlich, als sich die Skifahrer anfangs wegen der Boarder beklagten", sagt Bucher. Wer zuerst da ist, fühle sich im Recht.

Machen E-Bikes den Berg wirklich unsicherer?

Der DAV ist deshalb Partner der Politik, um den Konflikt zu entschärfen: "Zugute kommt uns dabei die über 20-jährige Erfahrung im Winter bei ähnlichen Konflikten zwischen Naturschützern, Jägern und Skitourengehern", sagt Bucher. Mit Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums startete der Alpenverein im vergangenen Jahr das Projekt "Bergsport Mountainbike – nachhaltig in die Zukunft". In zwei Pilotregionen, den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Oberallgäu, sollen "unter Mitwirkung aller Beteiligten Wege- und Lenkungskonzepte erarbeitet werden", sagt Bucher. Heißt: Statt Verboten wird auf gute Ausschilderungen und Tourenbeschreibungen gesetzt. Aus der Erfahrung vom Winter weiß der Alpenverein, dass sich rund 90 Prozent an Schilder halten.

Aber machen E-Bikes den Berg für Wanderer wirklich unsicherer? "Mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem ein Elektro-Mountainbiker einen Wanderer umgefahren hätte", sagt Otto Möslang, Vorsitzender der Bergwacht Bayern. Die Bergwacht sieht sich als Retter, nicht als Richter. Möslang möchte daher nichts zum Konflikt zwischen Radlern und Wanderern sagen – aber zu den Unfallzahlen: In den vergangenen zehn Jahren sind die Rettungen von Wanderern und Bergsteigern um 71 Prozent gestiegen. Die von Bergradlern dagegen um über 300 Prozent. "Der Zuwachs bei den Radlern kommt ganz klar durch die E-Mountainbikes, weil die nun mit Stromunterstützung höher hinauf auf die Berge kommen und weiter hinein in die Täler", sagt Möslang.