Ein zentrales Ergebnis: Sechs Materialien, aus denen E-Autos gemacht sind – egal ob batterieelektrisch oder mit Brennstoffzellen betrieben –, müssen als kritisch eingestuft werden, weil sie eine zentrale Bedeutung für die Verkehrswende haben, aber zugleich nur begrenzt verfügbar sind und im Zweifel auch nur schwer zu ersetzen wären. "Das Versorgungsrisiko und die Folgenschwere eines Versorgungsengpasses sind hoch", sagt Aline Hendrich, Analystin für Energie und Mobilität bei Thinkstep.

In Zahlen ausgedrückt: Würde ein Viertel aller Fahrzeuge weltweit batterieelektrisch oder mit Brennstoffzelle fahren, das wären rund 240 Millionen, dann würde die Menge der vorhandenen Rohstoffe reichen. Sie reicht allerdings nicht, wenn ein Viertel der jährlich weltweit produzierten Autos und damit etwa 18 Millionen Fahrzeuge mit diesen beiden Technologien ausgestattet würden. "Dazu müssten die jährlichen Abbaumengen von Lithium, Kobalt, Platin und Dysprosium stark erhöht werden", sagt Hendrich.

In einer Brennstoffzelle wird Platin für den Katalysator gebraucht, in einem Akku die anderen fünf Materialien. Für sich genommen ist jeder Rohstoff unterschiedlich zu bewerten, was seine Verfüg- oder Substituierbarkeit betrifft. Kobalt zum Beispiel wird größtenteils in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut – kommt es dort zu Lieferengpässen, kann man nur schwer ausweichen. Kupfer dagegen kommt in vielen Ländern vor. Weil man aber zur Produktion von E-Autos alle Rohstoffe gleichermaßen benötigt, stuft Thinkstep die Verfügbarkeit insgesamt als problematisch ein.

Recycling und Ökostrom

Falls im Abbau und in der Aufbereitung der Rohstoffe Ökostrom verwendet wird, verbessert das die Umweltbilanz der Elektrofahrzeuge deutlich. Das Recycling der Rohstoffe hat denselben Effekt. "Die Sekundärherstellung der Materialien ist technisch möglich, und die CO2-Emissionen sind geringer", sagt Hendrich. Wenn komplette Batteriefahrzeuge recycelt und daraus neue Fahrzeuge aufgebaut werden, kann das aktuell bis zu einem Drittel Kohlendioxid vermeiden. Damit ist das Einsparpotenzial durch Recycling geringer als bei einem Verbrenner, doch der Wert könnte sich in Zukunft durch energieeffiziente Recyclingtechniken noch verbessern. Grundsätzlich lassen sich alle sechs kritischen Rohstoffe recyceln. Technische Prozesse dafür sind entwickelt, allerdings teilweise fürs Labor und noch nicht im industriellen Maßstab.

Die Krux an der Thinkstep-Studie ist jedoch: Sie lässt den Preis für die Rohstoffe außer Acht. Bei stark steigender Nachfrage ist aber von einem deutlichen Preisanstieg auszugehen.

Zusammengenommen lassen sich drei Erkenntnisse aus den beiden Studien gewinnen:

  • Auch die Elektromobilität ist abhängig von natürlichen und mengenmäßig begrenzten Stoffen der Erde – so wie Verbrennungsmotoren mit Öl fahren, brauchen Elektroautos Rohstoffe für Batterien und Brennstoffzellen.
  • Große Elektroautos belasten das Klima mindestens ebenso sehr wie Verbrenner – wenn die PS-Leistung nicht auf ein vernünftiges Maß schrumpft, bringt die Verkehrswende dem Klima nichts.
  • Die Herstellung von Elektroautos ist klimaschädlicher als die von Verbrennern, erst nach etwa 150.000 Kilometern sind sie ein Fortschritt. Damit Elektroautos dem Klima nutzen, müssen sie also sehr viel gefahren werden, doch das erhöht das Verkehrsaufkommen stark. Ein Paradox.

Besser, als sich ein Elektroauto zu kaufen, ist es wohl fürs Klima, mit relativ sauberen Verbrennern deutlich weniger zu fahren als heute. Dem Klima ist wenig geholfen, wenn man Autos elektrifiziert, aber sonst weitermacht wie bisher.